Wir brauchen einen nationalen Pakt gegen Kinderarmut! / Zusätzliche Pauschalen für Schulmittel sind ein erster, notwendiger Schritt
(Frankfurt am Main/Berlin) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt den Vorstoß des Landes Rheinland-Pfalz im Bundesrat, Kinder aus ALG II- und Sozialhilfebezieher-Familien zweimal jährlich mit einer zusätzlichen Schulmittelpauschale zu unterstützen. Fast alle Lehrerinnen und Lehrer kennen das Problem: Zu Beginn jedes Schulhalbjahres sitzen Kinder aus armen Familien ohne Stifte, Hefte oder Taschenrechner in der Klasse. Ihren Eltern fehlt das Geld für diese Schulmittel. Die Regelsätze reichen nicht aus. Deshalb ist der Vorschlag des Landes Rheinland-Pfalz ein erster, notwendiger Schritt im Kampf gegen Kinderarmut, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne heute (12. Oktober 2007) in Frankfurt am Main.
Die Landesinitiative muss nach Auffassung des GEW-Vorsitzenden die erste Etappe auf dem Weg zu einer zwischen Bund, Ländern und Gemeinden abgestimmten Politik gegen Kinderarmut markieren. Wir brauchen einen nationalen Pakt gegen Kinderarmut! Wenn sozial schwache Familien zusätzliche Pauschalen für Schulmittel bekommen, darf ihnen das Geld nicht gleich wieder für das Essen in Krippen, Kitas und Schulen oder Klassenfahrten aus der Tasche gezogen werden, sagte Thöne. Notwendig sei ein umfassendes Konzept zur Armutsbekämpfung. Dabei seien materielle Armut und Bildungsarmut nur zwei Seiten ein und der selben Medaille. Wir müssen Familien von Bildungsausgaben entlasten, die Angebote verbessern und Bildungsbarrieren beseitigen. Wir müssen Kinder materiell absichern, damit sie ihre Bildungs- und Lebenschancen nutzen können. Wir müssen Armutslöhne verhindern, damit Familien nicht in prekäre Lebensverhältnisse abrutschen, unterstrich Thöne.
Der GEW-Vorsitzende mahnte an: Kinderarmut darf sich nicht in Form von Bildungsarmut weiter vererben. Die enge Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg muss überwunden werden. Dafür brauchen wir ein integratives Schulsystem, das Schluss mit der Auslese macht. Hierbei spielten auch Ganztagsschulen mit pädagogisch sinnvollem Konzept eine wichtige Rolle.
Info: Laut der Initiative des Landes Rheinland-Pfalz sollen Kinder, die jünger als 18 Jahre alt sind und in ALG II- bzw. Sozialhilfeempfänger-Familien leben, künftig zweimal jährlich einen Zuschuss für Schulmittel in Höhe von jeweils 83,20 (Kinder unter 14 Jahren) bzw. 111,20 Euro (ab dem 14. Lebensjahr) erhalten.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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