WSI widerspricht Arbeitgebern: Familienfreundliche Betriebe sind die Ausnahme
(Düsseldorf) - Familienfreundliche Betriebe sind nach wie vor die Ausnahme. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Nur 8,3 Prozent der Betriebe haben eine Betriebsvereinbarung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit Vereinbarungen zur Chancengleichheit können sogar nur 4,4 Prozent der Betriebe aufwarten. Das sind zusammen nur 10,7 Prozent. Arbeitgeberpräsident Hundt trägt wohl eine rosa Brille, wenn er behauptet, der bisher eingeschlagene Weg der Freiwilligkeit sei richtig, erklärte die Wissenschaftliche Direktorin des WSI Prof. Dr. Heide Pfarr am 10. Dezember in Düsseldorf mit Blick auf den vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft vorgestellten Monitor Familienfreundlichkeit. Im Gegenteil, diese Daten zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Betriebe gleichstellungs- und familienpolitisch eher der Wüste Gobi als dem Garten Eden gleichen. Das Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft gehört daher wieder auf die Tagesordnung.
Für Frauen sei keineswegs nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutsam, sondern ebenso Fragen von Entgelt, Weiterbildung und Aufstieg. Das Thema Chancengleichheit, so ein Ergebnis der Befragung, ist auf betrieblicher Ebene offenbar noch schwieriger voranzutreiben als die Familienfreundlichkeit. Neben den wenigen Betriebsvereinbarungen setzen Betriebe auch Programme zur Chancengleichheit (1,8 Prozent aller Betriebe), Gender-Mainstreaming-Programme (1,6 Prozent), Frauenförderpläne (2,8 Prozent) sowie einige andere Instrumente ein. Damit bleiben Vereinbarungen und Programme zur Chancengleichheit eine marginale Erscheinung. Auch eine betriebliche Bestandsaufnahme über den Stand der Gleichstellung der Geschlechter, wie im Betriebsverfassungsgesetz vorgesehen, hat bisher nur gut jeder 10. Betrieb erstellt.
Für die diesjährige repräsentative WSI-Betriebsrätebefragung wurden 2477 Fragebögen aus Betrieben (ab 20 Beschäftigte) mit Betriebsrat in ganz Deutschland ausgewertet.
Quelle und Kontaktadresse:
Hans-Böckler-Stiftung
Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/77780, Telefax: 0211/7778120
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
- Arbeitszeit: Viel Flexibilität durch Zusammenspiel von Gesetz und Tarifverträgen
- Deutsche Schuldenquote könnte durch Kredite für Verteidigung bis 2050 auf fast 100 Prozent steigen – gezielte Steuerfinanzierung sinnvoller
- „Stahlschock“ könnte jährlich 50 Milliarden Euro Wertschöpfung kosten – Abbau von Stahlproduktion würde Resilienz der Wirtschaft schwächen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

