Pressemitteilung | (VENRO) Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.
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Zehn Jahre nach dem World Humanitarian Summit: „Wir haben die Ziele nicht erreicht“

(Berlin) - Am 23. und 24. Mai 2016 fand in Istanbul der bislang einzige World Humanitarian Summit statt. 180 Regierungen kamen zusammen, um humanitäre Bedarfe weltweit zu senken und humanitäre Hilfe neu zu denken. Es herrschte große Aufbruchstimmung, eine ‚Agenda for Humanity‘ wurde beschlossen. Zehn Jahre später fällt ein ehrliches Fazit sehr durchwachsen aus.

Die Finanzierung humanitärer Hilfe nimmt ab, Bedarfe steigen und Reformprozesse stagnieren. Zugleich können jedoch auch Erfolge verzeichnet werden. VENRO, der Dachverband der humanitären Organisationen, fordert deshalb eine Neuauflage des Gipfels, um einen politischen Konsens zu erreichen und Reformen wirklich voranzutreiben.

„Zehn Jahre nach Istanbul müssen wir konstatieren: Das humanitäre System steht stärker unter Druck denn je, und wir haben die Ziele des Summits nicht wirklich erreicht“, findet Anica Heinlein, Co-Vorstandsvorsitzende bei VENRO. „Wie leider zu oft in solchen Prozessen hat es letztlich an politischem Willen gefehlt: bei der Verhinderung und Beendigung von Konflikten, der nachhaltigen Finanzierung und dem Schutz des humanitären Völkerrechts. Dem auch beim World Humanitarian Summit formulierten Anspruch ‚Leave no one behind‘ sind wir als Weltgemeinschaft nicht gerecht geworden.“

Dennoch habe es auch viele positive Impulse gegeben, die bis heute zu spüren sind. „Das humanitäre System brauchte schon damals dringend Reformen, um effizienter, wirkungsvoller und inklusiver zu werden“, sagt Heinlein. Zum Beispiel habe der ‚Grand Bargain‘, eine Übereinkunft der größten Geber und Organisationen, wichtige Veränderungen angeschoben. „Heute sehen wir, dass humanitäre Hilfe vorausschauender gedacht wird, Bargeldhilfe statt komplexer Lieferung von Hilfsgütern weit verbreitet ist und lokale Akteur_innen zumindest besser eingebunden sind. Darauf lässt sich aufbauen.“

Mittlerweile zeige sich jedoch auch immer öfter, dass Geldgeber ihre Mittel an Konditionen knüpfen und so die Unabhängigkeit humanitärer Hilfe untergraben. Das 10-jährige Jubiläum des Gipfels müsse auch deshalb genutzt werden, um neuen Schwung zu nehmen: „Mit dem ‚Humanitarian Reset‘ gibt es aktuell ein Reformprogramm der Vereinten Nationen für die humanitäre Hilfe. Eine Neuauflage des Gipfels, organisiert von der deutschen Bundesregierung, könnte weltweite Aufmerksamkeit schaffen, die Krise des humanitären Systems aufzeigen und Handlungsdruck für eine unabhängige humanitäre Hilfe erzeugen“, so Anica Heinlein. „Wir wissen sehr genau, wie wir Menschen besser vor Hunger, Krankheit und Verarmung schützen und in akuten Krisen bestmöglich helfen können. Jetzt braucht es einen gemeinsamen Push, wir brauchen einen neuen Konsens, um das Realität werden zu lassen.“

Quelle und Kontaktadresse:
(VENRO) Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V., Janna Völker, Referent(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Stresemannstr. 72, 10963 Berlin, Telefon: 030 2639299-10

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