Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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Zu viele Hauptschüler ohne Ausbildungsplatz / BLLV-Präsident Wenzel: „Ohne reelle Berufschancen für Hauptschüler verliert diese Schulart weiter an Attraktivität“

(München) - Nur 40 Prozent der Hauptschulabsolventen hatten bis Ende Juni 2007 bei einem Betrieb einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Ein Viertel war zu diesem Zeitpunkt vollständig unversorgt. Dies ist das erschütternde Ergebnis einer aktuellen Befragung des BLLV von Schulabgängern der Hauptschule, an der sich 55 Prozent der Hauptschulen in Bayern beteiligten. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel kritisierte angesichts dieser Tatsache den positiven Zwischenbericht von Arbeits- und Sozialministerin Christa Stewens im bayerischen Kabinett vom 3.7.2007. „Leichte Verbesserungen dürfen nicht als große Erfolge verkauft werden – das ist angesichts der Umfragezahlen bei den Hauptschulabsolventen unangemessen und verkennt völlig die gesellschaftliche Brisanz“, so Wenzel.

Mit der BLLV-Befragung wurden Information über knapp 30.000 Schulabgänger in Hauptschulen erhoben. Wenzel: „Das Ergebnis zeigt deutlich: Die beruflichen Chancen für Hauptschülerinnen und Hauptschüler haben sich kaum verbessert“.

Insgesamt hatten 35 Prozent der Hauptschulabgänger (10.500 der Befragten) bis Ende Juni weder eine Ausbildungsstelle noch die Möglichkeit zum Übertritt in eine weiterführende Schule. 10 Prozent besuchen nach dem Schulabschluss eine Berufsbildungsmaßnahme, die zu keinem anerkannten Berufsabschluss führt (Berufsvorbereitungsjahr, Einstiegsqualifizierung, Grundbildungslehrgänge, etc.). 25 Prozent (7.000 Schülerinnen und Schüler) waren völlig unversorgt. „Diese Jugendlichen stehen nach dem Ende des Schuljahres auf der Straße ohne jede Perspektive für ihr Leben“, kritisierte der BLLV-Präsident. „Das ist gesellschaftspolitischer Sprengstoff und nicht hinnehmbar“.

Hauptschüler in kleineren Gemeinden oder Städten haben deutlich bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz in einem Betrieb (50 Prozent und mehr) als in Mittel- oder Großstädten (25 Prozent – 28 Prozent). Auch die regionale Herkunft beeinflusst die Berufschancen: in den drei fränkischen Bezirken ist es für Hauptschülerinnen und Hauptschüler deutlich schwieriger, einen Ausbildungsvertrag zu erhalten, als in Ober- und Niederbayern.

Viele Jugendliche werden für teures Geld Berufsvorbereitungsjahren und Grundbildungslehrgängen geparkt, die ihnen keine echte Berufsperspektive geben. Wenn die Wirtschaft nicht eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen für alle Schulabgänger zur Verfügung stellen kann, müssen die schulischen Angebote für diese Jugendlichen ausgeweitet werden. Insbesondere fordert der BLLV:

- den Ausbau der ĂĽberbetrieblichen und vollschulischen Berufsausbildung, die bisher nur 10 Prozent der SchĂĽlerinnen und SchĂĽler wahrnehmen

- die Verbesserung der AnschlĂĽsse in die aufbauenden allgemeinbildenden Schulen (M 10, Wirtschaftsschule, FOS), die bisher nur 12 Prozent der Befragten wahrnehmen wollen

- deutlich mehr personelle und finanzielle Ressourcen für die Hauptschule, damit alle Schülerinnen und Schüler intensiv und individuell gefördert werden können

Wenzel: „Gelingt dies nicht und bleiben die Übergangschancen in eine berufliche Ausbildung für Hauptschüler weiterhin derart schlecht, verliert diese Schulart weiter an Attraktivität“.

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 MĂĽnchen Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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