Pressemitteilung | Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI)
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Zum Start des Fachdialogs im BMG: BDI fordert verbindliche und realistische Primärversorgung

(Wiesbaden) - Anlässlich des gestrigen Auftakts des Fachdialogs des Bundesministeriums für Gesundheit zur Einführung eines Primärversorgungssystems bringt der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI) seine sektorenverbindende Expertise aus der Versorgungspraxis in die gesundheitspolitische Debatte ein. Eine aktuelle Blitzumfrage unter haus- und fachärztlich tätigen Internistinnen und Internisten zeigt eine breite grundsätzliche Unterstützung für ein Primärversorgungssystem – verbindet diese jedoch mit klaren Erwartungen an Verbindlichkeit, Ausgestaltung und Umsetzbarkeit.

An der Befragung haben 307 Haus- und Fachärzte teilgenommen. 78 Prozent der Befragten befürworten grundsätzlich die Einführung eines Primärversorgungssystems, mehrheitlich in einer Ausgestaltung im Kollektivvertrag. 70 Prozent sprechen sich für ein verbindliches Modell aus, da nur so eine tatsächliche Steuerungswirkung erreicht werden könne.

„Die Ärztinnen und Ärzte sind bereit, Verantwortung in einem Primärversorgungssystem zu übernehmen“, erklärt Christine Neumann-Grutzeck, Präsidentin des BDI. „Sie erwarten aber zu Recht, dass Verbindlichkeit nicht als bürokratischer Selbstzweck verstanden wird, sondern als Voraussetzung für ein funktionierendes, medizinisch sinnvolles und bedarfsgerechtes Steuerungsmodell.“

Verbindlichkeit braucht klare Regeln und realistische Rahmenbedingungen

Die Umfrage zeigt deutlich, dass Verbindlichkeit aus Sicht der Ärzteschaft nur dann tragfähig ist, wenn sie mit klaren Regeln und Entlastungsmechanismen einhergeht. 77 Prozent befürworten einen Sanktionsmechanismus, um eine regelkonforme Nutzung des Systems sicherzustellen. Als Sanktionsmechanismus wird mehrheitlich eine finanzielle Eigenbeteiligung der Patientinnen und Patienten genannt. Mehr als die Hälfte der Befragten befürwortet zudem eine Kombination aus Anreizen (z.B. schnellere Terminvergabe) und Sanktionen. Bonusprogramme der Krankenkassen werden hingegen nicht als wirksam empfunden.

Gleichzeitig warnen die Befragten vor unrealistischen Erwartungen: 96 Prozent halten die Kapazitäten der Krankenhausambulanzen für nicht ausreichend, um im Rahmen von Termingarantien als Ausweichstruktur für die vertragsärztliche Versorgung zu fungieren.

„Es ist unstrittig, dass eine verbindliche Steuerung für die Patientinnen und Patienten mit einem positiven Versorgungseffekt verbunden sein muss. Das Ziel ist, die Versorgung bedarfsgerechter zu machen. Scheinlösungen wie pauschale Termingarantien oder die Verlagerung von Patientenströmen in Krankenhausambulanzen helfen jedoch nicht weiter, wenn die realen Kapazitäten fehlen – insbesondere, da wir mit der Krankenhausstrukturreform und der Reform der Notfallversorgung die stationären Strukturen ja entlasten wollen“, so Neumann-Grutzeck.

Primärversorgung funktioniert nur haus- und fachärztlich gemeinsam

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist die Bedeutung der haus- und fachärztlichen Zusammenarbeit. 65 Prozent der befragten Hausärzte und 87 Prozent der befragten Fachärztinnen und Fachärzte sehen eine koordinierende Rolle der fachärztlichen Praxis bei chronisch und komplex erkrankten Patientinnen und Patienten als sinnvoll an. Gleichzeitig erwarten viele hausärztlich tätige Internistinnen und Internisten bei einem verbindlichen Primärarztsystem eine zusätzliche Belastung, wenn Steuerung eindimensional organisiert wird.

„Ein tragfähiges Primärversorgungssystem darf Haus- und Fachärztinnen und -ärzte nicht gegeneinander ausspielen“, beton BDI-Vizepräsident Dr. Norbert Smetak, niedergelassener Kardiologie in Kirchheim. „Vielmehr müssen wir die ambulante haus- und fachärztliche Versorgung stärken. Vor diesem Hintergrund halten wir insbesondere die aktuellen Forderungen der Krankenkassen, die Entbudgetierung der Hausärzte sowie die TSS- und Hausarztvermittlungsfälle wieder abzuschaffen, für kontraproduktiv. Unser Standpunkt als BDI ist klar: Fachärztliche Leistungen, die auf einer qualifizierten hausärztlichen Indikationsstellung beruhen, müssen angemessen und extrabudgetär vergütet werden, denn ihr Bedarf ist bereits nachgewiesen. In einem qualitätsorientierten Primärarztsystem hat eine pauschale Budgetierung keinen Platz, denn sie konterkariert die Steuerung an zentraler Stelle.“

BDI bietet konstruktive Mitgestaltung an

Der BDI begrüßt den politischen Willen, die Primärversorgung weiterzuentwickeln, und wird sich weiterhin konstruktiv in den Ausgestaltungsprozess einbringen. Ziel müsse ein System sein, das Steuerung ermöglicht, Versorgungsqualität sichert und zugleich die Praxen entlastet.

„Primärversorgung kann ein Gewinn für alle Beteiligten sein“, so Neumann-Grutzeck. „Voraussetzung ist jedoch, dass Verbindlichkeit, Entlastung und interdisziplinäre Zusammenarbeit von Anfang an gemeinsam gedacht werden.“

Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI), Bastian Schroeder, Geschäftsführer(in), Schöne Aussicht 5, 65193 Wiesbaden, Telefon: 0611 18133-0

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