Zum Tod von Rita Süssmuth – eine Würdigung von Gertrud Stöcker
(Berlin) - Rita Süssmuth wollte gestalten, nicht verharren – und sie hat genau das getan: Sie hat Frauenpolitik in Regierung und Gesellschaft sichtbar gemacht und ihr Gewicht gegeben, auch gegen Widerstände. Gleichberechtigung war für sie kein Randthema, sondern Kern von Politik. Ihr starkes frauenpolitisches Verständnis wusste sie gut zu übertragen auf die Anforderungen des Pflegeberufes.
Für die professionelle Pflege – die auch bis heute stark von Frauen getragen wird – war diese Haltung besonders wichtig. Rita Süssmuth hat immer wieder dafür geworben, soziale Berufe nicht kleinzureden, sondern als das zu behandeln, was sie sind: unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft und keine „professionalisierte Mütterlichkeit“, wie sie einmal treffend sagte. Wer die berufliche Pflege stärken will, muss Anerkennung, Qualität und verlässliche Rahmenbedingungen mitdenken – und in konkrete Politik umsetzen.
Ihr Verständnis vom Pflegeberuf war geprägt von einem hohen Qualitäts- und Professionalitätsverständnis. So vertrat sie selbst als Lehrerin und Erziehungswissenschaftlerin schon vor Jahrzehnten die Meinung, dass die Lehrerbildung in der Pflege den gleichen Bildungsanspruch hat wie an anderen berufsbildenden Schulen. Pflegebildung – so fand sie – gehöre an die Universitäten. Nicht nur in dieser Hinsicht waren wir einer Meinung.
Ihre Ausdauer verdiente Bewunderung. Kritiker würden wohl sagen, sie war lästig. Sie selbst jedoch hat immer gesagt: „Kämpfen bis zum Erfolg!“
Das hieß für sie auch: Die Pflege muss selbst ihre Bedarfe äußern und nicht fremdbestimmt werden. Sie war mir ein Vorbild in der Art, wie sie Politik gemacht hat, wie sie auf Menschen zugegangen ist, Dinge eingefordert hat.
Und eine Orientierung im damals noch jungen Berliner Politikbetrieb. Rita Süssmuth fühlte sich seit unserem ersten Zusammentreffen dem DBfK verbunden – und sie blieb es über Jahrzehnte. Ob als Rednerin auf Konferenzen und Veranstaltungen oder in einem Grußwort zum 100-jährigen Bestehen des Berufsverbandes.
Rita Süssmuths Stimme hat die Gesundheits- und Sozialpolitik geprägt, sie war der Politik ihrer Zeit oft um Jahre voraus. Sie hat Debatten angestoßen, wo andere lieber ausgewichen sind, und hat Verantwortung übernommen, wenn es unbequem wurde. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten.
Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden.
Gertrud Stöcker war acht Jahre lang Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK). Sie ist zudem Ehrenvorsitzende des Bundesausschusses der Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe (heute BLGS e.V.), Gründungsmitglied und zweite Präsidentin des Deutschen Pflegerats sowie Vorsitzende des Deutschen Bildungsrats für Pflegeberufe (DBR). Sie ist unter anderem Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und seit 2025 Trägerin der Agnes-Karll-Medaille. Mit Rita Süssmuth verband sie eine langjährige Freundschaft.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V. (DBfK), Alt-Moabit 91, 10559 Berlin, Telefon: 030 219157-0
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