Zwischen Armut und Wohlstandsverwahrlosung / Zum Weltkindertag fordert BLLV-Präsident Albin Dannhäuser: Kinder müssen Maßstab der Schulpolitik sein
(München) - Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland unter wider-sprüchlichen und schwierigen Bedingungen auf: So leben über 2,5 Millio-nen auf Sozialhilfe- Niveau, gleichzeitig grassiert das Phänomen der Wohlstandsverwahrlosung. Die Gesellschaft ist nicht kinderfreundlich. Sie setzt Maßstäbe, die nicht kindgerecht sind. So fürchten sich bereits Zehn-jährige vor dem sozialen Abstieg, wenn sie nicht nach der vierten Klasse in eine weiterführende Schule wechseln können. Schulversagen empfinden viele als latente und Existenz bedrohende Gefahr. Immer mehr Kinder ma-chen Auslese und Notendruck regelrecht krank. Diese Feststellung traf der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Albin Dannhäuser, anlässlich des Weltkindertages am 20. September. Er appellierte an Eltern, alles zu tun, damit Kindheit glücken kann. Die Politik forderte er auf, Eltern zu entlasten und alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft, zu fördern. Erforderlich sind der Ausbau bedarfsgerechter Ganztagsschulen und personell optimal ausgestatteter Kinderbetreuungseinrichtungen, der Besuch muss kostenfrei sein.
Heranwachsende aus gut betuchten Haushalten kennen zwar keine materielle Not, viele von ihnen müssen aber die bittere Erfahrung machen, dass sich niemand wirklich für sie interessiert. Sie sind sich weitgehend selbst überlassen. Kinder erfahren tagtäglich, dass Werte und Normen ihre Verbindlichkeit verlieren. Soziale Verantwortung und Solidarität nehmen ab, der Einzelne wird zunehmend für sein eigenes Schicksal verantwortlich gemacht. Dannhäuser: Hinzu kommt, dass junge Menschen in einer Vielzahl von Familientypen und komplizierten Beziehungsnetzen aufwachsen. Sie sind konfrontiert mit Heirats- und Scheidungsketten, Mehrelternfamilien, Patchwork-Familien, usw.
Immer mehr Familien rutschen in die Armut ab. Der aktuelle Armutsbericht führt drastisch vor Augen, was das für Kinder und Jugendliche bedeutet: Das Selbstwertgefühl sinkt, viele erkranken an Depressionen, fühlen sich einsam, sind misstrauisch, nervös, leiden unter Konzentrationsschwäche und resignieren bereits in jungen Jahren, was ihre beruflichen Chancen angeht. Dannhäuser: Sie wissen, dass sie ohne höheren Bildungsabschluss kaum Chancen auf sozialen Aufstieg haben, gleichzeitig bleibt ihnen der Zutritt zur elitären Wissensgesellschaft verwehrt. Für den BLLV ist dies der eigentliche Skandal in der deutschen Bildungspolitik. Für immer mehr junge Menschen bedeutet Schule Stress: Fast jedes fünfte Kind unter 18 Jahren klagt über Bauchschmerzen oder Angst vor Prüfungen. Konzentrationsverlust und Nervosität nehmen zu, immer mehr Kinder wollen gar nicht mehr in die Schule gehen.
Im Mittelpunkt der Schul-, Familien- und Bildungspolitik müssen die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen stehen. Vorausschauende und humane Schulpolitik muss dafür Sorge tragen, dass Schule Lern- und Lebensraum sein kann. Wenn junge Menschen erfahren, dass sie angenommen werden, leisten und lernen sie viel. Lippenbekenntnisse zum Weltkindertag lösen die Probleme nicht.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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