Zwischenzeugnis: Am besten abschaffen! / "Halbjahresbilanz wird oft überbewertet" / BLLV-Präsident Klaus Wenzel rät Eltern zur Gelassenheit / Sein Appell: "Mehr fördern, weniger ausgrenzen"
(München) - "Die Zwischenzeugnisse nicht überbewerten" - diesen Appell hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Klaus Wenzel, anlässlich der Zeugnisvergabe am Freitag (13. Februar 2009) an alle Eltern gerichtet. Freilich ist das in einer Zeit, in der sich alles um Noten und Berechtigungen dreht, nicht einfach. Der Erfolgsdruck ist groß und kann dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler Versagensängste entwickeln, die Freude am Lernen verlieren oder in ihrer Entwicklung blockiert werden. "Obwohl Noten wenig über individuelle Leistungsfortschritte eines Schülers aussagen, hängt alles von ihnen ab", kritisiert Wenzel. "Das ist nicht nur paradox, sondern auch kontraproduktiv, denn schlechte Noten können die Leistungsbereitschaft vieler Kinder und Jugendlicher hemmen." Er fordert erneut, Zwischenzeugnisse abzuschaffen. "Sinnvoller ist es, wenn Eltern regelmäßig Kontakt zu den Lehrkräften halten. Dann kann bei Problemen auch rechtzeitig interveniert werden." Die Praxis der Notenvergabe muss überdacht werden: "Der Arbeitsmarkt braucht junge Menschen, die auch über Schlüsselkompetenzen verfügen - deshalb sollten sie bei der Bewertung eine größere Rolle spielen. Die Fixierung auf Ziffernnoten wird modernen Ansprüchen jedenfalls nicht mehr gerecht." Kritisch hinterfragt werden muss auch, über welches Wissen Schülerinnen und Schüler tatsächlich verfügen sollten.
Wenzel betont, dass Lehrkräfte gezwungen sind, Noten zu vergeben, obwohl sie wissen, dass Noten wenig über den tatsächlichen Leistungsstand und individuellen Lernfortschritt eines Schülers aussagen. "Viele Lehrerinnen und Lehrer leiden unter dem Diktat einer auf Noten und Berechtigungen fixierten Lernkultur - genauso wie ihre Schüler. Eltern und Lehrer können nur gemeinsam an die Politik appellieren, umzudenken.
Nicht Auslese und Ausgrenzung stehen im Mittelpunkt einer zeitgemäßen Schul- und Bildungspolitik, sondern Integration, Unterstützung und individuelle Förderung aller Kinder."
Wie Eltern mit dem Zwischenzeugnis am besten umgehen: "Eltern sollten sich klar machen, dass das Zwischenzeugnis eine vorläufige Rückmeldung ist. Es empfiehlt sich, `schrittweise´ vorzugehen und zunächst einmal festzustellen, in welchen Bereichen das Kind besonders gut ist, nachzufragen, was es im vergangenen Halbjahr alles gelernt hat, was besonders interessant war und was ihm Freude bereitet hat. Auf diese Weise fällt es leichter, die `Schwachstellen´ zu akzeptieren", erklärt Wenzel. "Wenn Eltern mit ihrem Kind darüber sprechen, wo es Lücken gibt, woher sie kommen und was getan werden kann, um sie zu schließen, signalisieren sie Interesse und Unterstützungsbereitschaft. Wichtig ist der vorwurfsfreie Dialog. Auf diese Weise wird Vertrauen hergestellt und vermieden, dass Kinder bei schlechten Noten ihre Lernmotivation verlieren."
Bevor Eltern professionelle Nachhilfeinstitute oder Lernstudios einschalten, sollten sie andere Wege ausprobieren: "Wirksame Hilfe kann darin bestehen, dass ab und zu mit einem Mitschüler gelernt und geübt wird, der keine Schulprobleme hat und beim Schließen der Lücken wertvolle Tipps geben kann", empfiehlt Wenzel. Das Lernen mit Gleichaltrigen ist deshalb besonders zu empfehlen, weil Kinder altersgerecht erklären und sich besser in den Mitschüler hinein versetzen können. "Hilfe von außen" kann aber auch bedeuten, dass - kostenlose - Förderangebote der Schule in Anspruch genommen werden. An manchen Schulen gibt es besondere Förderkurse. Es gibt durchaus brauchbare Lernspiele. Vor dem Kauf sollten sich Eltern allerdings von der Lehrkraft des Kindes beraten lassen. Auch Computer können nützliche Lernhelfer sein - vorausgesetzt, das Alter des Kindes und seine konkrete Lernschwäche werden berücksichtigt und es handelt sich um eine qualitativ hochwertige Lernsoftware.
"Beim zusätzlichen Lernen dürfen Eltern ihr Kind nicht überfordern", sagt Wenzel. "Kleinere Lerneinheiten sind besser als ein unübersichtliches Lern-Pensum. Es hat also wenig Sinn, einmal am Wochenende drei Stunden zu üben. Erfolgreicher ist es, wenn jeden Tag etwa 15 bis 20 Minuten zusätzlich gelernt und geübt wird." Der regelmäßige Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Bildungsprozesses: "Wenn Eltern und Lehrer miteinander reden und nicht übereinander, werden viele Missverständnisse vermieden und zahlreiche Probleme gelöst." Die gegenseitige Information führt dazu, dass eine Vertrauensbasis gebildet wird und die gemeinsame Verantwortung wächst. In dieser Atmosphäre müssen Kinder nichts verheimlichen und können zu Hause und in der Schule offen über ihre Probleme sprechen. Dies führt zu weniger Lernversagen und besseren schulischen Leistungen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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