7. Caritaskongress in Berlin startet mit Appell für eine starke Zivilgesellschaft
(Berlin) - In Berlin ist gestern der 7. Caritaskongress eröffnet worden. Drei Tage lang befassen sich rund 1000 Vertrer_innen der Caritas aus dem ganzen Bundesgebiet mit der Frage, wie das gesellschaftliche Miteinander in Zeiten von Populismus, KI, Klimakrise und Kriegen gelingen kann.
Zum Leitmotiv des dreitägigen Kongresses „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“ erläutert Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: „Ohnmacht, Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und eine Art aggressiver Resignation beherrschen viel zu oft unseren Alltag. Als Caritas in Deutschland suchen wir nach Lösungen, wie Lähmungen überwunden und Spaltungen vermieden werden können. Gerade auch da, wo Verteilungsfragen zwischen den Generationen neu verhandelt werden müssen, eröffnen wir Dialog-Räume, um die Potenziale aller Generationen zu nutzen.
Wir wollen als Caritas Alt und Jung – und all die Generationen dazwischen – jeden Tag neu darin bestärken, dass ihr Beitrag zählt und dass er unverzichtbar ist, um ein gutes Morgen zu gestalten. Wir appellieren an die Politik, die Initiative der Bürger_innen wertzuschätzen. Wir brauchen dringend ‚eine starke Zivilgesellschaft, die in der Lage ist, Bindungen zu schaffen und Kräfte für den Dienst am Gemeinwohl zu mobilisieren‘, wie es Papst Leo zuletzt in seiner Sozialenzyklika gefordert hat. ‚Weberinnen der Hoffnung zu sein‘ ist der Auftrag, der die Caritas in ihrer nationalen und internationalen Arbeit leitet.“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Heiner Wilmer knüpfte heute in Berlin an seine Predigt zur Amtseinführung in Münster an und ermunterte die Caritas: „Seid nicht bange! Denn: Zusammen geht was! Die Caritas stellt den Menschen in den Mittelpunkt, den Bedürftigen, den sozial Abgeschlagenen. Sie entfaltet durch ihre Arbeit die große gemeinschaftsstiftende und verbindende Kraft der Vielen, die sich für ihren Nächsten einsetzen. Als Kirche haben wir die Aufgaben, die Menschen in die Mitte zu stellen. Dazu gehört, wach zu sein, wer jetzt unsere Aufmerksamkeit verdient. Die Caritas schenkt denen Beachtung, auf die sonst niemand achtet. Über Generationen hinweg. Somit ist die Arbeit der Caritas unverzichtbar – für die Menschen, für die Kirche und für unseren Sozialstaat. Mit der Caritas gelingt es, das Soziale stets neu zu denken.“
Bundesfamilienministerin Karin Prien verwies in ihrem Grußwort auf die zentrale Bedeutung von Generationengerechtigkeit für gesellschaftlichen Zusammenhalt in schwierigen Zeiten: „Die Frage, wie wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, ist eine Schicksalsfrage für unsere Demokratie. Wenn es uns als Gesellschaft nicht mehr gelingt, uns auf gemeinsame Ziele und Werte zu verständigen, überlassen wir den Polarisierern das Feld. Wir brauchen vielmehr Vertrauensgemeinschaften als Eckpfeiler einer resilienten Demokratie und Organisationen, die für das Vertrauen in unseren Sozialstaat stehen.
Klar ist: Wir müssen den den Sozialstaat reformieren, um ihn zu erhalten. Die Leistungen müssen gerechter und in den Abläufen effizienter und moderner werden. Nur so sichern wir die Funktionsfähigkeit unseres Landes. Ich begrüße deshalb ausdrücklich, dass sich die Caritas 2026 für eine Reform der Sozialversicherungen ausspricht, die Vertrauen stärkt und die die Zahlungsfähigkeit der jungen Generation berücksichtigt. Denn das Prinzip der Generationengerechtigkeit ist aktueller denn je. Für mich als Ministerin, die für alle Generationen zuständig ist, bedeutet dies, den Schutz, die Bedürfnisse und die Teilhabe aller Altersgruppen zu berücksichtigen und ihnen verlässliche Perspektiven und Zuversicht zu bieten. Denn: Generationengerechtigkeit ist eine der wichtigsten Klammern, um unsere Gesellschaft in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten. Einen Generationenkonflikt kann ich übrigens im alltäglichen Miteinander nicht erkennen. Im Gegenteil, die Solidarität zwischen Jung und Alt ist unverändert hoch. Es gilt, auf diese zentrale gesellschaftliche Ressource stärker zu setzen.“
Der 7. Caritaskongress auf dem EUREF-Campus in Berlin dauert noch bis Freitag. Der Caritas-Kongress findet alle drei Jahre statt und ist die zentrale Plattform für Austausch, Vernetzung und inhaltliche Auseinandersetzung über Caritas-Praxis vor Ort, verbandliche Entwicklungen, Kirche und Politik. In diesem Jahr sind unter den Teilnehmenden besonders viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Engagierte unter 30, denn das „Miteinander der Generationen muss, um tatsächlich Zukunftskraft zu werden, live und in Farbe erlebt werden,“ so Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Caritasverband e.V. - Hauptgeschäftsstelle, Elke Schänzler, Leiter(in) Kommunikation, Reinhardtstr. 13, 10117 Berlin, Telefon: 030 2844476
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