Bologna-Prozess: Ärzteschaft und Hochschulverband warnen vor "Billig-Medizinern"
(Berlin) - Bundesärztekammer, Marburger Bund und Deutscher Hochschulverband haben davor gewarnt, den Bachelorabschluss auch im Medizinstudium einzuführen. "Wir wenden uns entschieden dagegen, das in der Bologna-Deklaration vorgesehene zweistufige Qualifikationsmodell nach dem Muster von Bachelor- und Masterabschlüssen auch auf die medizinische Ausbildung anzuwenden", betonte Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, am 26. August auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Ärzteschaft teile die mit dem sogenannten Bologna-Prozess verbundenen Ziele wie die Einführung eines Studiensystems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse und die Überwindung von Hindernissen, die der Freizügigkeit in Europa im Wege stehen. "Wir begrüßen den Bologna-Prozess, wir wehren uns allerdings dagegen, Bachelorstudiengänge in der Medizin vorzusehen. Deshalb fordern wir die Bundesländer nachdrücklich auf, klare und dauerhafte Ausnahmeregelungen für die Medizin zu treffen", so Hoppe.
Die Umstellung auf ein zweistufiges Studienabschlusssystem beruhe auf dem Verständnis, dass man ein berufsfeldbezogenes und ein wissenschaftliches Studium nacheinander absolvieren könne. "Für eine Reihe von geisteswissenschaftlichen, technischen und womöglich auch naturwissenschaftlichen Berufen mag eine solche zweistufige Studienstruktur sinnvoll sein, in der Medizin aber stellt sich die Situation ganz anders dar. Die Medizin zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung der wissenschaftlichen Lehre und der Krankenversorgung an den Hochschulen aus. Deshalb ist es auch schlicht unmöglich, in einem drei- bis vierjährigen Basisstudium sowohl eine solide wissenschaftliche Grundausbildung als auch eine spezifische Berufsbefähigung zu vermitteln", sagte der Ärztepräsident.
Die Spitzenvertreter von BÄK, Marburger Bund und Hochschulverband wiesen darauf hin, dass die EU-Richtlinie 93/16/EWG bereits die gegenseitige Anerkennung der Studienabschlüsse in der Medizin regele. Darüber hinaus würde die erst im Oktober 2003 in Kraft getretene Reform des Medizinstudiums durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Medizin konterkariert.
Der 1.Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Frank Ulrich Montgomery, warnte eindringlich vor einem Qualitätsverlust in der medizinischen Versorgung, sollte tatsächlich eine Art "Schmalspurmediziner" mit Bachelor eingeführt werden. "Die Gefahr liegt im doppelten Spareffekt: 'Bachelor-Ärzte' wären billiger auszubilden und hinterher, wegen geringerer Qualifikationen, auch billiger zu beschäftigen. Wir brauchen keine Billig-Ärzte und wir wollen auch nicht die Differenzierung in 'Billig-Mediziner' mit Bachelor und - überspitzt gesagt - wissenschaftliche Ärzte mit Doktorhut", so Montgomery.
Nach der Bologna-Deklaration von 1999 soll der Bachelorabschluss zu einer "für den europäischen Arbeitsmarkt relevanten Qualifikation" führen. Die Kultusministerkonferenz der Länder betrachtet den Bachelor als "ersten berufsqualifizierenden Abschluss eines Hochschulstudiums". "Mit Blick auf die hohen Anforderungen, denen ein praktizierender Arzt genügen muss, und der damit verbundenen großen Verantwortung für die Patienten, kann ein Bachelorabschluss in der Medizin nicht als berufsqualifizierend gelten", betonte Prof. Dr. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern) e.V.
Hans-Jörg Freese, Pressestelle
Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin
Telefon: 030/4004560, Telefax: 030/
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