Bundesverband Deutscher Stiftungen kritisiert Stipendiengesetz des Bildungsministeriums "Stiftungen sind keine Goldesel" / Expertise aus dem Stiftungssektor nutzen / Konsortium aus erfahrenen Stiftungsakteuren vorgeschlagen
(Berlin) - In seiner Stellungnahme für das Bundesministerium für Bildung und Forschung kritisiert der Bundesverband Deutscher Stiftungen den Referentenentwurf für ein Gesetz zur Schaffung eines nationalen Stipendienprogramms. Zwar sei ein Stipendienprogramm sinnvoll, der vorgeschlagene Weg jedoch ungeeignet. Der Entwurf sieht vor, dass die öffentliche Hand 50 Prozent der Kosten des Stipendienprogramms trägt. 50 Prozent sollen private Geldgeber beisteuern. Dazu zählen neben Einzelpersonen, Vereinen und sonstigen Organisationen vor allem Stiftungen.
Aus Sicht des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sprechen drei Argumente gegen die geplante Art der Finanzierung. Erstens würden Stiftungen, die ohnehin Stipendien vergeben, kaum auf ihre ausgefeilten eigenen Programme verzichten und das Geld stattdessen in ein staatliches Förderprogramm ohne Mitgestaltungsmöglichkeiten fließen lassen. Weder entspreche das dem Selbstbild von Stiftungen als unabhängigen Akteuren noch ihrem Wunsch, mehr zu geben als Geld. Denn über ihre Stipendienprogramme vermitteln Stiftungen bestimmte Wertesysteme, schulen soziale Fähigkeiten, knüpfen mit Stipendiatinnen und Stipendiaten ein dauerhaftes Netzwerk und machen durch ihre Förderung gesellschaftliche Vorbilder sichtbar. Zweitens drohe vielen Stiftungen wegen des im Gesetz vorgesehenen dezentralen Fundraisings der Hochschulen eine Antragsflut, die diese nicht bewältigen können. Drittens sei fraglich, ob Hochschulen, die keinen eigenen Apparat zur Mitteleinwerbung bereithalten, nicht damit überfordert sind, die entsprechenden Mittel von nichtstaatlichen Akteuren zu akquirieren.
"Der Gesetzgeber wäre gut beraten die Expertise von Stiftungen und ihre Erfahrungen mit Stipendien für eine bessere und sozial gerechtere Ausbildung an den Universitäten zu nutzen. Wer Stiftungen als bloße Goldesel nutzen will, wird ihnen nicht gerecht", sagte Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Stiftungen könnten bei der Stipendienvergabe eine wichtige Rolle spielen: etwa bei der Beratung staatlicher Stellen, die Stipendien vergeben oder bei Klärung der Frage, wann und wo Stipendien sinnvoll sind. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen bietet an, ein Konsortium aus Stipendienexperten aus verschiedenen Stiftungen vorzuschlagen, das den Bund in Hinblick auf mögliche Kooperationsformen mit deutschen Stiftungen beraten könnte.Diese Pressemitteilung und die Stellungnahme finden Sie unter: http://www.stiftungen.org/presse.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V., Haus Deutscher Stiftungen
Anke Pätsch, Pressesprecherin
Mauerstr. 93, 10117 Berlin
Telefon: (030) 8979470, Telefax: (030) 89794711
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