Chaos durch Vertragsmonopol des Hausärzteverbandes / Wesiack: "Der Spuk muss ein Ende haben!"
(Wiesbaden) - Als "scheinheilig" hat der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Internisten. BDI e.V., Dr. Wolfgang Wesiack, den Vorstoß des Hausärzteverbands-Vorsitzenden Ulrich Weigeldt bezeichnet, die Abrechnung vertragsärztlicher Leistungen für den Wettbewerb zu öffnen. Weigeldt hatte unter Hinweis auf den Datenskandal bei der BKK Gesundheit den Kassenärztlichen Vereinigungen unterstellt, auch sie würden mit den Abrechnungsdaten nicht sensibler umgehen als der Hausärzteverband.
Wesiack nennt diese Äußerung "unaufrichtig": Die KVen hätten in den vergangenen 50 Jahren bewiesen, dass sie verantwortungsbewusst mit den höchst sensiblen Daten der Ärzte und ihrer Patienten umgingen.
Der Hausärzteverband lasse dagegen nach Informationen aus Krankenkassen-Kreisen die Abrechnungsdaten der Hausarztverträge in Baden-Württemberg und Bayern von Apotheken-Rechenzentren bearbeiten. Wesiack erinnert daran, dass den Rechenzentren gesetzlich untersagt werden musste, die Apotheken-Abrechnungsdaten an die Pharmaindustrie weiter zu verkaufen. "Wer im Glashaus sitzt, sollte mit Steinen vorsichtig umgehen", kommentiert der BDI-Präsident.
Er stellt allerdings auch klar, dass er die von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler beabsichtigte Verlängerung der Abrechnungsmöglichkeit privater Abrechnungsstellen um ein weiteres Jahr unterstützt: "Wir brauchen Zeit, um die hausarztzentrierte Versorgung auf vernünftige Beine zu stellen."
Wesiack warnt davor, solche Wettbewerbs-Verträge in die Sicherstellung eingreifen zu lassen: "Die Abgrenzungs- und Schnittstellenprobleme sind weder für den Arzt noch für den Patienten beherrschbar; der Streit um den Notfalldienst in Bremen ist ein erschreckendes, aber typisches Beispiel dafür." Hausarztzentrierte Verträge sollten sich vielmehr darum bemühen, im Wettbewerb die Kollektivverträge zu verbessern: "Dann lassen sich Modelle ausprobieren und wir können sehr spezifisch auf jede regionale Versorgungssituation reagieren." Das bürokratische und abrechnungstechnische Chaos, das derzeit durch das de-facto-Monopol des Hausärzteverbandes angerichtet werde, müsse schnellstmöglich wieder geordnet werden: "Der Spuk muss ein Ende haben."
Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI)
Pressestelle
Schöne Aussicht 5, 65193 Wiesbaden
Telefon: (0611) 18133-0, Telefax: (0611) 18133-50
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