Deutsche Kinderhilfe zur Entscheidung des Ethikrates gegen Babyklappen: Sieg der juristischen "Bedenkenträger"
(Berlin) - Rechtstheoretische Erwägungen, wie hoch das Recht eines Menschen auf seine Herkunft einzuschätzen ist, haben den Ethikrat dazu bewogen, sich gegen die anonyme Geburt und auch gegen die Babyklappen auszusprechen. In Verkennung der Tatsache, dass Babyklappen seit Jahren Kinderleben retten, wurde heute (26. November 2009) vom Ethikrat ein ganz wichtiger, wenn auch kleiner, Baustein im Kampf gegen Kindstötungen in Deutschland in Misskredit gebracht.
Schon als zynisch muss die Begründung des Ethikrates bezeichnet werden, die ausführt, Zitat: "Die bisherigen Erfahrungen mit den Angeboten legen zudem nahe, dass es nicht wahrscheinlich ist, Frauen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihr Neugeborenes töten oder aussetzen, durch diese Angebote überhaupt zu erreichen." An dieser Stelle greift der Ethikrat ein wichtiges Defizit auf, dessen Beseitigung den Erfolg von Babyklappen um ein Vielfaches steigern könnte: die fehlende Bekanntheit, wo Babyklappen zu finden sind. Länder und Kommunen sind in der Pflicht, durch Schaltung von 24-Stunden-Hotlines, breite Aufklärungskampagnen, Streuung von Informationsmaterialien, Kooperation mit Schulen und Beratungsstellen, Informationsangebote zu schaffen.
"Jedes Kind, das durch eine Babyklappe, oder durch eine anonyme Geburt gerettet wird, ist ein Menschenleben, welches sein originäres Recht auf Leben erleben durfte. Einem getöteten oder ausgesetzten Kind nützt sein vermeintlich hochrangiger ethisch schützenswerter Anspruch auf das Wissen um seine Herkunft recht wenig", so RA Georg Ehrmann, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe in Berlin.
"Solange der Ethikrat derartige praxisferne Elfenbeinturmentscheidungen trifft, sollte ernsthaft über die Sinnhaftigkeit des Gremiums in seiner jetzigen Konstellation diskutiert werden", so Ehrmann. Derartige Grundsatzentscheidungen gehören ohnehin in die Gremien des vom Volk gewählten Parlamentes und nicht in ausgelagerte Expertengremien. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, dass in den Anhörungen des Ethikrates Praktiker ebenso wenig angemessen zu Wort kamen wie Organisationen, die sich im Vorfeld klar für Babyklappen und anonyme Geburten ausgesprochen haben.
"Dies ist ein schlechter Tag für den Kinderschutz in Deutschland und die Politik ist aufgefordert, die Stellungnahme kritisch zur Kenntnis zu nehmen und nicht zur Entscheidung ihres Handelns zu machen. Hier sind Eindrücke aus der Praxis unabdingbar", so Ehrmann weiterhin.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Kinderhilfe e.V.
Julia Gliszewska, Sprecherin des Vorstandes
Schiffbauer Damm 40, 10117 Berlin
Telefon: (030) 24342940, Telefax: (030) 24342949
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