DJV-Liste zeigt: Tarifflucht hat erschreckendes Ausmaß erreicht
(Berlin) - Der DJV hat am heutigen (04. Mai 2006) Donnerstag eine Übersicht über Fälle von Tarifflucht durch deutsche Tageszeitungsverlage veröffentlicht. Die Liste dokumentiert, welche Verlage das Outsourcing von Redaktionen betreiben, wo vollwertige Redakteurstätigkeiten von Leiharbeitnehmern geleistet werden und welche Mitgliedsverlage des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ohne Tarifbindung sind. "Die Liste zeigt das erschreckende Ausmaß der Tarifflucht und den Erfindungsreichtum von Verlegern zu Lasten ihrer angestellten Redakteurinnen und Redakteure", kommentierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken die Übersicht, die unter http://www.djv.de/aktuelles/themen/tarifrunde_liste.shtml auf der Homepage des DJV zu finden ist.
So wurden etwa die Sportredakteure des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags 2005 in eine GmbH ausgelagert, die untertariflich bezahlt. Wer beim Westfälischen Anzeiger neu eingestellt wird, bekommt weniger Geld und wird nicht über das Presseversorgungswerk versichert. Und auch bei der Offenbach-Post werden die Neuen unter Tarif entlohnt. Die DJV-Liste spiegelt auch eine andere Entwicklung wider, von der immer mehr Zeitungsvolontäre betroffen sind: So werden etwa die Volontäre der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zu untertariflichen Gehältern bei der WAZ-eigenen Journalistenschule Ruhr eingestellt.
Als eine weitere Form der Tarifumgehung wertet der DJV den Einsatz von so genannten Leiharbeitnehmern in den Redaktionen, etwa bei der Nordsee-Zeitung, der Rheinpfalz oder der Sächsischen Zeitung. Die Leiharbeitsfirmen sind Tochterunternehmen von Verlagen, ihre Mitarbeiter sind vollwertige Redakteure, für die die Tarifverträge des Tageszeitungsbereichs jedoch nicht gelten.
Der DJV-Vorsitzende appellierte an die Verleger, sich endlich wieder ihrer sozialen Verantwortung für die Beschäftigten zu stellen. "Sie müssen sich zu den Tarifvereinbarungen bekennen, statt sie auszuhebeln. Die Verleger müssen begreifen, dass die soziale Sicherheit ihrer Redakteure auch die Qualität der journalistischen Arbeit und damit den Wert ihrer Produkte positiv beeinflusst." Konken appellierte an die tariftreuen Mitgliedsverlage des BDZV, den "schwarzen Schafen in den eigenen Reihen die rote Karte zu zeigen". Die Tarifflüchtlinge schadeten dem Image der gesamten Branche. Gewerkschaften und Arbeitgeber hätten gemeinsam die Aufgabe, die Flächentarifverträge zu sichern. Deshalb forderte Konken die Verleger auf, in der bevorstehenden Sondierungsrunde am 17. Mai die Weichen für einen Tarifabschluss zu stellen.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Journalisten-Verband e.V. (DJV)
Hendrik Zörner, Pressesprecher, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit
Pressehaus 2107, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin
Telefon: (030) 7262792-0, Telefax: (030) 7262792-13
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

