Gegen Low-level Vorbehandlung und Abfallverbringung unter dem Deckmantel des Bergrechts / Qualität ist entscheidend
(Bonn) - Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock nimmt aus Sicht des bvse Fragen zu aktuellen Themen, die die Branche beschäftigen. Mit der Umsetzung der TASi herrscht eine Aufbruchstimmung zur Schaffung zusätzlicher thermischer Verwertungskapazitäten. Welche langfristige Marktentwicklung beobachtet der bvse?
Rehbock: Mittel- bis langfristig scheint es so, dass es in der Gesamtschau der Abfallstoffe tatsächlich zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage kommen kann. Die Gefahr regionaler Überkapazitäten besteht daher durchaus. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass wir im Bereich der Verwertung/Beseitigung von Siedlungsabfällen bereits heute über genügend Kapazitäten verfügen. In der abfallwirtschaftlichen Gesamtbetrachtung besteht jedoch weiterhin ein Bedarf, Ersatzbrennstoffe aus den frei handelbaren Verwertungsabfällen (keine Andienungspflicht) zu gewinnen. Auf diese Inputströme konzentriert sich der Mittelstand. Für uns ist erkennbar, dass sich der Markt für Ersatzbrennstoffe derzeit neben den klassischen Abnehmern (Zement- und Kraftwerke) deutlich um weitere Verwerter aus energieintensiven Produktionsbereichen (Papier-, Stahl- oder Chemieindustrie) erweitert. Hierbei werden kleinere dezentrale Anlagen für den Einsatz mittelkalorischer Abfälle sicher Vorteile haben. Die Verteuerung primärer Energieträger spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Warum hört man dann immer wieder von Anlagenplanungen, die bereits in der Projektphase scheitern?
Rehbock: Das liegt häufig daran, dass die Verhandlungspartner durch unterschiedliche vertragliche Vorstellungen nicht zusammenfinden. Einerseits erfordert die Projektfinanzierung eine langfristige preisstabile vertragliche Bindung der Ersatzbrennstoffe. Andererseits unterliegt die Preisentwicklung im Abfallmarkt jedoch dynamischen Faktoren wie Input Anlage, Aufbereitung, Transport, Verbrennungspreisentwicklung bei MVA. Eine weitere Hürde sind genehmigungs-rechtliche Probleme. Eine gleichmäßige Risikoverteilung ist daher für beide Partner wichtig, diese gilt es in entsprechenden Preisgleitklauseln gemeinsam abzustimmen.
Sehen Sie in diesem Zusammenhang zunehmend auch wieder günstige Entsorgungsmöglichkeiten, die mit der Mitverbrennung konkurrieren?
Rehbock: Ja, es scheint vereinzelt so, dass die Abfallverbringung auf Deponien nach einer Low-level Vorbehandlung in Deutschland probiert wird. Darüber hinaus mehren sich die Klagen, dass Abfälle in Gruben und Tagebauen unter dem Deckmantel der Abfallverbringung nach Bergrecht verschwinden. Der Wettbewerb um die besten Verwertungsverfahren muss aber auf einer fairen Basis stehen. Verzerrungen können nicht hingenommen werden. Schließlich sind diejenigen, die auf eine hochwertige Aufbereitung zu einem Brennstoffprodukt setzen, auch von einem gleichmäßigen Input zu ihren Anlagen abhängig. Mit diesen günstigen Entsorgungswegen werden gerade die Anlagen bestraft, die nach dem 01.06.2005 im Hinblick auf die gesetzliche Vorbehandlung investiert haben und sich damit zu hochwertigen Verwertungsformen bekannt haben. Der bvse beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge.
Wie positionieren sich die bvse-Mitglieder im Bereich der Mitverbrennung?
Rehbock: Die in der Aufbereitung von EBS tätigen Mitglieder haben sich in den vergangenen Jahren zu wahren Spezialisten für hochwertige Brennstoffe entwickelt. Sie sind in der Lage, die für den jeweiligen Einsatzzweck benötigten Brennstoffe zu liefern und tragen damit auch zur Ressourcenschonung bei. Neben der Zementindustrie und den Kraftwerken zählen auch verstärkt weitere Abnehmer zum Kundenkreis. Gemeinsam mit ihren Kunden werden die bvse-Mitglieder an der Weiterentwicklung des EBS-Einsatzes arbeiten. Die Mitverbrennung ist keine profane Abfallverbrennung. Wir liefern Produkte, die in ihren Eigenschaften Regelbrennstoffen gleichen.
Quelle und Kontaktadresse:
bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Hauptgeschäftsstelle
Jörg Lacher, Leitung, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit
Hohe Str. 73, 53119 Bonn
Telefon: (0228) 988490, Telefax: (0228) 9884999
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