Generation 50+ vom Aufschwung abgekoppelt
(Berlin) - Der konjunkturelle Aufschwung und die eingeleiteten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen haben die Älteren zumindest in Ostdeutschland bisher so gut wie nicht erreicht, erklärte der Präsident der Volkssolidarität, Prof. Dr. Gunnar Winkler, am Donnerstag (15. November 2007) in Berlin. Er stellte den Sozialreport 50+ 2007 Daten und Fakten zur sozialen Lage von Bürgern ab 50 Jahre in den neuen Bundesländern vor. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde der Studie zufolge nur von fünf Prozent der 50- bis 65- Jährigen als gut und von 69 Prozent als schlecht beurteilt. Der Sozialreport 50+ 2007 wurde vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin- Brandenburg (SFZ) e.V. im Auftrag des Bundesverbandes der Volkssolidarität erarbeitet. Dazu wurden im Mai und Juni 2007 rund 1.020 Bürger ab dem 50. Lebensjahr befragt.
Der Verbandspräsident bezeichnete es als Tragik der heute 50-bis 70-Jährigen, dass sie 1989/1990 die aktivsten Träger der friedlichen Revolution in der DDR waren. Inzwischen seien sie jene Jahrgänge, die am meisten von Einschnitten und Einschränkungen sowie vom Sozialabbau betroffen sind. Sie haben maßgeblich mit ihrem Aufbegehren die Grundlagen für die deutsche Vereinigung gelegt und werden jetzt mehrheitlich vom einsetzenden Aufschwung abgekoppelt, so Winkler weiter. Diese Entwicklung führe zu einer zunehmenden kritischen Sicht auf den nach wie vor nicht abgeschlossenen Vereinigungsprozess. So sehen von den heute 50-bis 70-Jährigen 38 Prozent für sich die Vereinigung als Gewinn und 30 Prozent als Verlust. Die gleichen Jahrgänge sahen 1994 nur zu 20 Prozent für sich Verluste und zu 43 Prozent Gewinne.
Doch zugleich gebe es die unzufriedenen Ostdeutschen nicht, betonte Winkler Aber sie sind nicht mehr so zufrieden wie vor Jahren, bei wieder ansteigender Tendenz. Neben "Wohlstandsgewinnen" führten in den letzten Jahren "Wohlstandsverluste" (Arbeitsmarkt, Verlangsamung des Angleichungsprozesses, Sozialabbau u.a.) bei einzelnen sozialen Gruppen zu sinkendem Allgemeinbefinden. So sind laut Studie von den 50-bis 60-Jährigen 34 Prozent mit ihrem Leben alles in allem zufrieden, von den 60-bis 70-Jährigen 47 Prozent und von den 70-Jährigen und älteren 63 Prozent.
Die individuelle wirtschaftliche Situation wird von einem zunehmenden Teil älterer Menschen als schlecht bewertet, stellte Winkler fest. 30 Prozent der ab 50-Jährigen bewerteten ihre wirtschaftliche Lage mit sehr gut/gut, 48 Prozent mit teils gut/teils schlecht, 21 Prozent mit schlecht und sehr schlecht. Die 2007 erhobene Frage nach den erwarteten Zukunftschancen in den nächsten fünf Jahren werde von den ab 50-Jährigen überdurchschnittlich negativ bewertet. Nur zwei Prozent von ihnen erwarten Verbesserungen, aber 49 Prozent Verschlechterungen.
Die Volkssolidarität sieht sich in ihren Positionen zur Rente mit 67 sowie zu Hartz IV auch mit den Untersuchungsergebnissen 2007 bestätigt, sagte der Verbandspräsident. Nur 35 Prozent der Bürger unter 65 Jahren glauben, dass sie bis zum regulären Eintrittsalter arbeiten werden. 14 Prozent halten sich für hinreichend gesund dafür und nur sieben Prozent gehen davon aus, dass genügend Arbeitsplätze vorhanden sein werden. Die Ergebnisse des letzten Jahres bestätigen die Notwendigkeit des Vorschlages der Volkssolidarität, genaue Kriterien, die der Überprüfung des Renteneintrittsalters zugrunde gelegt werden, zu erarbeiten. Der Angleichungsprozess im Alter sei bezogen auf Einkommen zum Erliegen gekommen. Die Untersuchungen bestätigen laut Winkler die hohen Armutspotenziale unter den künftigen Rentnergenerationen.
2007 lebten bereits elf Prozent der 50-bis 60-Jährigen in Armut und weitere sechs Prozent sind von Armut bedroht sind.
Der Verbandspräsident machte anhand der Studie auf die Frage aufmerksam, welche Konsequenzen für die Entwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft in Ostdeutschland erwachsen. Es sei beunruhigend, dass Schwierigkeiten im sozialen Bereich und Defizite in der sozialen Infrastruktur nicht nur mit einem geringen Vertrauen in die Politik und in demokratische Institutionen einhergehen, sondern auch mit einer Entsolidarisierung in der Gesellschaft. Nach sozialer Sicherheit, nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit nehme Solidarität unter den Grundwerten bei allen Altersgruppen einen nachrangigen Platz ein. Die Volkssolidarität sieht sich auch in ihrer Verantwortung zum gemeinsamen Auftreten aller demokratischen Kräfte gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit bestätigt, erklärte Winkler.
Quelle und Kontaktadresse:
Volkssolidarität Bundesverband e.V.
Tilo Gräser, PR-Referent
Alte Schönhauser Str. 16, 10119 Berlin
Telefon: (030) 27897100, Telefax: (030) 27593959
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