Pressemitteilung | SPECTARIS. Deutscher Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik e.V.
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Geplante PFAS-Beschränkung bedroht Versorgung, Forschung und Schlüsseltechnologien

(Berlin) - Der Deutsche Industrieverband SPECTARIS warnt vor den weitreichenden Folgen der geplanten PFAS-Beschränkung für Medizintechnik, Photonik sowie die Analysen-, Bio- und Labortechnik. Im Rahmen der jüngsten SEAC-Konsultation der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) hat SPECTARIS vier Stellungnahmen für seine betroffenen Branchen eingereicht und spricht sich darin für einen stoffbezogenen, risikobasierten Regulierungsansatz sowie angemessene Ausnahmeregelungen aus.

Die vorgeschlagene pauschale Regulierung von mehr als 10.000 PFAS-Stoffen wird der technologischen Realität vieler Hightech-Anwendungen nicht gerecht. Besonders kritisch sieht SPECTARIS die fehlende Begünstigung von Fluorpolymeren. Diese sind in zahlreichen industriellen Anwendungen unverzichtbar; für sie existieren derzeit vielfach keine technisch gleichwertigen Alternativen, und bislang konnte kein unannehmbares Risiko nachgewiesen werden – eigentlich eine Vorgabe der REACH-Verordnung für eine Beschränkung.

In der Medizintechnik betrifft dies unter anderem diagnostische Systeme, Komponenten für minimalinvasive Anwendungen sowie hochregulierte Produkte mit besonderen Anforderungen an Sicherheit, Sterilität, chemische Beständigkeit und Biokompatibilität. Nach Einschätzung von SPECTARIS werden weitreichende Beschränkungen sowie die von der ECHA vorgeschlagenen sektorspezifischen Ausnahmen direkte Auswirkungen auf die Patientenversorgung sowie die Verfügbarkeit von rund 150.000 bewährten Medizinprodukten haben.

Für die Analysen-, Bio- und Labortechnik sieht SPECTARIS erhebliche Risiken für Forschung, Diagnostik, Umweltmonitoring und die pharmazeutische Produktion. PFAS-haltige Komponenten sind beispielsweise essenziell für hochpräzise Messinstrumente, Laborgeräte, Membranen, Dichtungen oder Fluidsysteme. Gleichzeitig spielt die Branche selbst eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Alternativen und stellt die Technologien bereit, die für Messung, Überwachung und regulatorische Kontrolle von PFAS überhaupt notwendig seien. SPECTARIS kritisiert, dass die Branche im bisherigen Verfahren nicht als eigenständiger Sektor bewertet wurde.

In der Photonik und Halbleitertechnik kommen PFAS unter anderem in hochsensiblen Produktionsprozessen, Beschichtungen, Spezialoptiken sowie Reinraum- und Laserapplikationen zum Einsatz. Aus Sicht von SPECTARIS drohen hier erhebliche Nachteile für europäische Schlüsseltechnologien und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Gerade in strategisch wichtigen Zukunftsfeldern wie Quantentechnologien, Sensorik, Medizintechnik, Verteidigungs- und Raumfahrtanwendungen sowie der Halbleitertechnologie kann eine pauschale Regulierung bestehende Abhängigkeiten Europas zusätzlich verschärfen.

Die Augenoptik nutzt PFAS insbesondere für funktionale Beschichtungen von Brillengläsern, die Eigenschaften wie hohe Haltbarkeit, leichte Reinigungsfähigkeit sowie wasser-, öl- und schmutzabweisende Oberflächen ermöglichen. Aktuelle Analysen zeigen, dass diese Anwendungen insgesamt als emissionsarm einzustufen sind und der zusätzliche Umweltvorteil eines Verbots vergleichsweise gering wäre. Gleichzeitig drohen erhebliche negative Auswirkungen auf Produktqualität, Verbraucher, Innovationsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller augenoptischer Produkte, da derzeit keine gleichwertigen Alternativen mit vergleichbarer Performance und Langzeitstabilität verfügbar sind. Nach aktuellen sozioökonomischen Bewertungen könnten verkürzte Produktlebensdauern, steigende Verbraucherbelastungen, Marktverwerfungen durch schwer kontrollierbare Importe sowie erhebliche Arbeitsplatzverluste die Folge sein.

„Die vorgeschlagene PFAS-Beschränkung schießt schon im Grundsatz über das Ziel hinaus. Europa braucht kein Pauschalverbot, sondern einen Beschränkungsansatz für Substanzen, deren kritische Emissionen in die Umwelt sich nicht vermeiden lassen. Auch deshalb lehnen wir eine Beschränkung von Fluorpolymeren ab, für die kein relevantes Risiko erkennbar und nachweisbar ist“, erklärt Jörg Mayer, Geschäftsführer von SPECTARIS. „Gerade bei industriellen Anwendungen mit kontrollierten oder vernachlässigbaren Emissionen müssen Verhältnismäßigkeit, technologische Machbarkeit und die Bedeutung für Versorgungssicherheit und Innovation stärker berücksichtigt werden.“

SPECTARIS weist zudem darauf hin, dass viele der betroffenen Branchen in globalen Lieferketten agieren und langjährige Entwicklungs-, Validierungs- und Zulassungsprozesse durchlaufen müssen. Gleichzeitig drohten milliardenschwere Umstellungskosten, Innovationshemmnisse sowie Verlagerungen von Forschung und Produktion außerhalb Europas. Kurzfristige Verbote oder zu kurze Übergangsfristen sind daher praktisch nicht umsetzbar. Auch ein pauschales Substitutionsgebot, das unbedenkliche Substanzen wie Fluorpolymere miteinbezieht, ist konsequenterweise vom risikobasierten Ansatz nicht abgedeckt. Ein kürzlich veröffentlichtes Rechtsgutachten des BDI hat weitere Verfahrensdefizite herausgearbeitet, die das Beschränkungsverfahren und seine Ergebnisse schon im Grundsatz kritisieren. Hierzu zählen unter anderem der unzulässige gruppenbezogene Ansatz, eine Umkehr der Beweislast zulasten der Betroffenen, unzureichende Konsultationen, unangemessen kurze Konsultationsfristen, eine insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen übermäßige Belastung sowie die fehlende Bewertung einzelner Sektoren.

Die eingereichten Stellungnahmen von SPECTARIS zu den Bereichen Medizintechnik, Photonik sowie Analysen-, Bio- und Labortechnik wurden im Rahmen der öffentlichen SEAC-Konsultation zum PFAS-Beschränkungsverfahren bei der ECHA übermittelt.

Quelle und Kontaktadresse:
SPECTARIS. Deutscher Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik e.V., Christof Weingärtner, Pressesprecher(in), Robert-Koch-Platz 4, 10115 Berlin, Telefon: 030 414021-0

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