Gewerkschaftstag: Bildungsgewerkschaft setzt sich gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen ein
(Nürnberg / Frankfurt am Main) - Für ein "starkes öffentliches Bildungswesen" hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ausgesprochen. "Bund, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen, wenn Deutschland aktuelle und künftige Anforderungen an Bildung und Ausbildung der Menschen auf qualitativ hohem Niveau bewältigen will. Die Menschen erwarten Ideen und Lösungen, die die Zukunftsfähigkeit des Landes sichern und ihnen Zukunftsperspektiven geben", sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Sonntag (26. April 2009) zum Auftakt des 26. Gewerkschaftstages seiner Organisation in Nürnberg. Er sprach sich für eine deutlich bessere Finanzierung des gesamten Bildungsbereichs aus. "Wir brauchen zusätzliche Gelder für eine bessere Infrastruktur und mehr Personal an den Bildungseinrichtungen. In maroden, für Steinzeitpädagogik geplanten Gebäuden können zu wenige Pädagogen nicht für gelingende Lernprozesse garantieren. Gute Arbeitsbedingungen und hohe Qualität von Bildung sind zwei Seiten einer Medaille."
Auf 43 Milliarden Euro bezifferte Thöne den finanziellen Mehrbedarf im Bildungsbereich. Diese Summe könne zurzeit bereit gestellt werden, wenn Deutschland seine Bildungsausgaben etwa auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anhebt. Eine entsprechende Erhöhung habe beispielsweise auch die SPD mit Verweis auf die Bildungsausgaben in Schweden beschlossen. SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier hat dieses Anliegen gestern während der Auftaktveranstaltung des GEW-Gewerkschaftstages noch einmal bestätigt. Mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 38 Milliarden Euro könnten etwa zusätzliche Erzieherinnen und Lehrkräfte eingestellt sowie notwendige Ausbau- und Sanierungspläne für Kitas, an Schulen und Hochschulen sowie in der Weiterbildung umgesetzt werden. Weitere fünf Milliarden Euro sollten für den Einstieg in das Projekt "Eine Schule für alle Kinder" eingesetzt werden. "Mit dieser Anschubfinanzierung wird in kleineren Klassen eine bessere individuelle Förderung für alle Schüler sichergestellt. Zusätzlich sind Umbaumaßnahmen in den Schulen möglich, die aktuelle pädagogische und energetische Anforderungen erfüllen sowie dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten dienen", sagte Thöne.
"Diese Investitionen sind notwendig, damit das Krippenprogramm eine Erfolgsgeschichte wird, die Bundesrepublik endlich den Einstieg in ein inklusives Schulsystem schafft und die Quote der dringend benötigten Akademiker auf deutlich über 40 Prozent der Menschen eines Jahrgangs steigt", begründete der GEW-Vorsitzende seinen Vorstoß.
Den Privatisierungsbestrebungen im Bildungsbereich erteilte er eine deutliche Absage. "Bildung ist ein hohes gesellschaftliches Gut, das der Daseinsvorsorge der Menschen dienen soll. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu den besten Bildungsangeboten haben. Privatisierung ermöglicht wenigen, sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zurückzuziehen. Sie befördert die Spaltung in unserer Gesellschaft und bedroht die Chancengleichheit", stellte Thöne fest.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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