Pressemitteilung | Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)
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Humanoide Roboter prägen die Zukunft

(Frankfurt am Main) – Humanoide Roboter sind vom Forschungsobjekt zu einem strategischen Zukunftsmarkt geworden, dessen Dynamik einzigartig ist. Die Erwartungen sind riesig und reichen bis zu Milliardenumsätzen im Jahr 2040 mit verkauften Stückzahlen von vielen Millionen pro Jahr. Humanoide Roboter werden damit zum Alltagsgegenstand, die Rede ist von einer neuen Branche vergleichbar der Autoindustrie. Durch Fortschritte in der Sensorik und Aktorik, bei Energiesystemen und vor allem in der Nutzung physischer Künstlicher Intelligenz („Physical AI“) können humanoide Roboter vielfältige neue Aufgaben übernehmen, ohne dass ihre Arbeitsumgebungen umgestaltet werden müssen. Als Robotik-Plattformen vereinen sie Mobilität und Intelligenz und können zu „Universalmaschinen“ werden – so lauten wesentliche Ergebnisse der neuen VDMA Future Business Studie „Humanoid Robotics 2040“.

Europa ist nicht chancenlos in diesem riesigen Wachstumsmarkt und seiner strategischen Schlüsselposition. Die europäische Industrie startet auf diesem neuen Markt in Teilen aus einer Position der Stärke: Sie deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Schlüsselkomponenten und Robotersystemen bis hin zu Integration und Anwendungen. Starke Forschungsnetzwerke, Standardisierung und industrielles Know-how bilden eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung von humanoiden Robotern. „Diese breite Aufstellung ist ein Vorteil, weil humanoide Systeme nur im Zusammenspiel aus Hardware, Software, Daten, Zertifizierung und Service erfolgreich skalieren“, erläutert Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Mit humanoiden Robotern schreitet der Maschinenbau in die neue Welt. Menschen werden in vielen Lebensbereichen Humanoide an ihrer Seite haben, den diese sind selbstlernende, agile Einheiten, die die Welt im wahrsten Sinne des Wortes begreifen.“

Gleichzeitig beschleunigt sich die globale Dynamik: Umfangreiche Investitionen in humanoide Robotik und physische KI prägen künftig Plattformen, Ökosysteme und Standards. In vielen Märkten werden derzeit die Spielregeln festgelegt – von Schnittstellen und Sicherheitsnachweisen bis zu Daten- und Betriebsmodellen. „Ohne schnelleres Umsetzen, mehr Pilotprojekte und mehr privates Kapital läuft Europa Gefahr, in einem für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidenden Feld an Boden zu verlieren und in Abhängigkeiten bei Plattformen und Schlüsseltechnologien zu geraten“, warnt Dr. Eric Maiser, Leiter des VDMA Competence Centers Future Business.

Humanoide Roboter – einsetzbar in einer für die Menschen gemachten Welt

„Humanoide Roboter sind gerade für industrielle Produktionsprozesse eine große Chance, weil sie der Gestalt und den Fähigkeiten des Menschen nachempfunden sind und somit in allen Umgebungen einsetzbar sind, die für den Menschen gemacht sind“, erklärt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Robotik + Automation. Für Industrie, Logistik und Dienstleistungssektor bedeutet das auch: Humanoide könnten Tätigkeiten übernehmen, die heute schwer zu automatisieren sind – etwa, weil sie wechselnde Objekte, unstrukturierte Umgebungen oder eine enge Zusammenarbeit mit Menschen beherrschen. Zugleich entstehen neue Anforderungen an funktionale Sicherheit, Cybersecurity, Datenschutz sowie an Prüf- und Zertifizierungsprozesse über den gesamten Lebenszyklus des Roboters.

Vier Szenarien für 2040: So kann sich humanoide Robotik entwickeln

Die VDMA-Zukunftsstudie, die mit Experten aus Industrie, Forschung und Anwendung in Kooperation mit der Z_Punkt GmbH entstand, beschreibt vier Zukunftsbilder für das Jahr 2040 – vom Massenmarkt im Alltag bis zum „humanoiden Winter“. Diese Szenarien zeigen unterschiedliche Wege für Einführung, Governance und Marktstruktur und machen Chancen und Risiken für den europäischen Maschinenbau greifbar.
• Szenario 1: Vertrauenswürdige Helfer – Roboter im Alltag
• Szenario 2: Premium-Insel – Roboter für Wohlhabende
• Szenario 3: B2B-Bot – Zertifizierte Mitarbeiter für kommerzielle Dienstleistunge
• Szenario 4: In der Nische festgefahren – Humanoider Winter

Szenario 1: Vertrauenswürdige Helfer – Roboter im Alltag

Humanoide Roboter sind 2040 Teil der häuslichen Infrastruktur: erschwinglich, hoch zertifiziert und unter strengen Datenschutzregeln als praktische Helfer akzeptiert. Für Hersteller entsteht ein Massenmarkt mit hohem Kostendruck und kurzen Entwicklungszyklen – gefragt sind leise, sichere und leicht zu wartende Systeme. Das Risiko: Plattformabhängigkeit und Kommodifizierung, wenn Europa vor allem Absatzmarkt bleibt, während Entwicklung, Betrieb und Wartung anderswo stattfinden.

Szenario 2: Premium-Insel – Roboter für Wohlhabende

Humanoide Roboteer etablieren sich als exklusive Prestigeobjekte in Premium-Umgebungen. Leistung, Diskretion und tiefe Personalisierung treiben die Kosten – die Stückzahlen bleiben begrenzt. Europa kann in diesem Luxussegment glaubhaft punkten, wie etwa bei Autos und Mode. Wert entsteht für Maschinenbauer vor allem über margenstarke Subsysteme (etwa hochpräzise Antriebe, „geschickte Hände“, Wahrnehmung und Sicherheitsstufen) sowie zertifizierte Upgrades und lebenslange Serviceverträge. Das Risiko: Der Premiumwert hängt als Gesamtpaket auch von starken KI-Fähigkeiten ab. Bei zu geringen Investitionen droht daher die Rolle als reiner Hardware-Zulieferer.

Szenario 3: B2B-Bot – Zertifizierte Mitarbeiter für Dienstleistungen

Humanoide Roboter werden zu zertifizierten Mitarbeitenden im Dienstleistungssektor und helfen, den Arbeitskräftemangel zu reduzieren. Die Einführung weitet sich auf ausgewählte Industriebetriebe und Logistiknischen aus. Für Hersteller zählt ein umfassendes Angebot: zertifizierte Module plus Fähigkeiten, Integration, Schulung, Verfügbarkeitsgarantien und Rezertifizierung. Risiken sind die Übernahme und Abhängigkeit von Plattformen, die einige wenige globale Akteure betreiben, schnelle Iterationszyklen sowie hohe Haftungsanforderungen in Umgebungen mit engem Menschenkontakt.

Szenario 4: In der Nische festgefahren – Humanoider Winter

In diesem Szenario bleiben humanoide Roboter auf industrielle und raue Umgebungen mit strenger Eindämmung und menschlicher Aufsicht beschränkt. Öffentliche Akzeptanz stagniert wegen Vertrauensdefiziten, Sicherheitsbedenken, Vorfällen, eingeschränkter Nutzbarkeit und fragmentierten Standards. Für Unternehmen stehen robuste Systeme, Sicherheits- und Prüftechnologie, schlüsselfertige Integration, Fernsteuerung und langfristige Serviceverträge im Vordergrund. Das Risiko: eine begrenzte Skalierung – mit regionalen Nischen und schwächeren Lerneffekten gegenüber groß angelegten Rollouts anderswo.

Aus diesen vier Szenarien ergeben sich einige übergreifende Erkenntnisse:
• Physische KI verändert die Automatisierung weit über humanoide Roboter hinaus.
• Substanzielle Investitionen und intelligente Regulierung sind erforderlich, damit Europa Märkte aktiv mitprägt.
• Vertrauen und Sicherheit sind ein zentraler Erfolgsfaktor – technologisch wie regulatorisch.
• Ökosysteme bestimmen die Wertschöpfung: Hardware- und Daten-Plattformen, Standards, Betrieb und Service entscheiden über künftige Märkte – Chance und Risiko zugleich für Europa.
• Kurzfristige Chancen und Risiken, von technologischen Durchbrüchen bis zu fehlender Akzeptanz, können den Markt schnell verändern – Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor.

Markteinstieg trotz Unsicherheit

Die Studie rät Unternehmen, humanoide Robotik und physische KI als strategische Priorität zu behandeln – auch dann, wenn der Markthochlauf in Teilen noch unsicher ist. „Chancen liegen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von Schlüsselkomponenten (Antriebe, Getriebe, Sensorik, Energieversorgung, Sicherheits- und Prüftechnik) über den Einstieg als Hersteller und die Entwicklung von Produktionstechnologien für humanoide Systeme bis hin zum Einsatz von Humanoiden in den eigenen Fabriken zur Steigerung von Produktivität und Flexibilität. Dazu müssen die Unternehmen ihre Engineering-Prozesse aber auf schnellere Iterationen, datengetriebene Entwicklung und Software-Integration ausrichten“, betont Eric Maiser. „Hinzu kommt: Physische KI wird zwar vor allem im Bereich der humanoiden Robotik entwickelt, aber gleichzeitig im gesamten Maschinenbau und der Automatisierung zum Innovationstreiber“, ergänzt Patrick Schwarzkopf.

Homogener Binnenmarkt und mehr privates Kapital zur Skalierung nötig

Von der Politik erwartet der VDMA jetzt, dass klare und praxisorientierte Regeln für Haftung, Meldung von Vorfällen und Datenprotokollierung geschaffen werden. Genehmigungsverfahren müssen vorhersehbar und effizient sein – insbesondere für Pilotprojekte und Feldtests. Hinzu kommt, dass angesichts der riesigen Investitionen insbesondere in China und den USA mehr privates Kapital für die Entwicklung humanoider Roboter mobilisiert werden muss, will Europa nicht ins Hintertreffen geraten. Öffentliche Förderung kann Hürden senken und den Transfer von Forschung zur Industrie beschleunigen – sie kann privates Kapital anreizen, aber nicht ersetzen. Kooperationen zwischen Maschinenbaufirmen, Start-ups, Softwareexperten und Forschung sind ein weiterer wichtiger Baustein. „Die Geschichte ist noch nicht geschrieben – aber das Zeitfenster zur Gestaltung von Plattformen, Standards, Betriebsmodellen und Wertschöpfung ist eng“, sagt Maiser.

„Andere Regionen investieren in großem Maßstab und verkürzen ihre Lernkurven. Europa sollte in Zukunft nicht nur Leitmarkt, sondern vor allem Leitanbieter sein – das gelingt nur mit hoher Geschwindigkeit und mutigem Handeln. Durch koordinierte Zusammenarbeit, den Aufbau von Lieferketten und Ökosystem, einer intelligenten Regulierung, realen Testumgebungen, skalierbaren Diensten und deutlich mehr privaten Investitionen. Andernfalls wäre Europa gezwungen, das zu übernehmen, was andere entwickeln. In unseren Zukunftsbildern gibt es keine Zukunft ohne Humanoide. Alle Beteiligten sollten ihre Kräfte bündeln, um sicherzustellen, dass Europa eine führende Rolle bei ihrer Herstellung, ihres Betriebs und ihrer Anwendung spielt“, resümiert Schwarzkopf. „Der VDMA wird den Aufbau eines funktionierenden Ökosystems der Humanoiden Robotik angehen, und Politik und Wissenschaft auffordern, sich gemeinsam auf den Weg zu machen“, ergänzt Hartmut Rauen.

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA), Holger Paul, Leiter(in) Kommunikation, Lyoner Str. 18, 60528 Frankfurt am Main, Telefon: 069 66030

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