Immer mehr Kindern wird die Chance auf Bildung und Zukunft verwehrt
(Hannover) - Der Deutsche Kinderschutzbund hat seit über einem Jahr auf die dramatischen Folgen von Hartz IV hingewiesen. Schon heute müssen in Deutschland mehr als eine Million Kinder von Sozialhilfe leben. Mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Reformpaket Hartz IV werden es 1,5 Millionen Kinder sein - jedes zehnte Kind. Wir müssen damit rechnen, dass in den Großstädten 30 Prozent aller Kinder auf Sozialhilfeniveau leben werden, in einigen Städten wie Duisburg oder Essen sogar 40 Prozent aller Kinder.
Ab Januar wird Kindern, deren Eltern Arbeitslosengeld II beziehen, nur noch ein Sparbuch in Höhe von 750 Euro gelassen. Auch Ausbildungsversicherungen werden mit in das Haushaltsvermögen eingerechnet und müssen aufgebraucht werden. Das hat fatale Folgen. Immer mehr Kindern wird damit die Chance auf eine gute Ausbildung zunichte gemacht. Bildung ist der Schlüssel zu sozialer Teilhabe. An Bildung führt kein Weg vorbei, um ein eigenverantwortliches Leben führen zu können. Schule und Ausbildung kosten jedoch Geld. Studiengebühren stehen vor der Tür. Die Hürden zu studieren, werden immer höher gesetzt. Gerade für Kinder aus armen Familien wird es immer schwieriger, eine gute Ausbildung zu machen. Es ist unverantwortlich, dass immer mehr Kindern Steine in den Weg gelegt werden, wenn es darum geht, eine gute Ausbildung zu machen, so Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. Deshalb fordert der Deutsche Kinderschutzbund einen Freibetrag, der sich an den tatsächlichen Kosten einer guten Ausbildung orientiert.
Die Chance auf einen Schulabschluss und damit auf eine Berufsausbildung ist direkt verknüpft mit der finanziellen Situation der Familien. Umso weniger Geld einer Familie zur Verfügung steht, umso geringer werden die Chancen der Kinder auf ein Abschlusszeugnis von der Realschule oder vom Gymnasium. 19 % geringer sind die Chancen für arme Kinder, einen Realschulabschluss zu erreichen, beim Abitur sind es sogar 52 Prozent. Deshalb fordert der Deutsche Kinderschutzbund, dass das deutsche Bildungssystem von unten nach oben durchlässig wird. Flächendeckend müssen kindgerechte Ganztagsbetreuungsangebote in Kindertagestätten und Schulen geschaffen werden. Statt Ausgrenzung muss die Förderung aller Kinder zur Leitlinie werden.
Ab Januar 2004 haben viele Familien nur noch 199 in Ost- und 207 Euro in Westdeutschland zur Verfügung, um ihre Kinder zu versorgen. Einmalige Beihilfen, wie für Lernbedarf und Winterkleidung, gibt es nicht mehr. Die einmaligen Beihilfen sind in viel zu gering bemessene Pauschalen umgewandelt worden. Wie sollen denn die Eltern bei diesen Sätzen sparen, um den Kindern vernünftige Winterkleider oder das erforderliche Material für eine Einschulung kaufen zu können?, fragt Hilgers. Der DKSB fordert, für diese Zwecke wieder einmalige Beihilfen vorzusehen.
Kinder, die künftig von Arbeitslosengeld II leben müssen, sind arm. Arme Kinder haben nicht nur schlechtere Bildungschancen, sie werden auch häufiger krank und ziehen sich vermehrt chronische Erkrankungen zu. Mehr als 90 Prozent aller vernachlässigten Kinder leben in armen Familien. Die wachsende Kinderarmut wird deshalb mittelfristig zu einem deutlichen Anstieg der Jugendhilfekosten (z. B. bei Fremdunterbringungen) der Städte führen.
Dieser Entwicklung müssen die Städte und Gemeinden heute schon begegnen. An ihnen liegt es, bereits im Kindergarten die Weichen für Bildung und Erziehung richtig zu stellen. Und sie sind gefordert, Familien durch vernetzte Angebote zu unterstützen. In Monheim geht man den richtigen Weg. Hilgers: Der Präventionspreis für Monheim für Kinder ist hier am richtigen Ort, denn in Monheim arbeiten alle gemeinsam daran, die Kinder vor den Folgen der Armut zu schützen.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. (DKSB)
Hinüberstr. 8, 30175 Hannover
Telefon: 0511/304850, Telefax: 0511/30485-49
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