Kooperation noch keine Selbstverständlichkeit / Kindergarten- Grundschultag in München / BLLV- Vizepräsidentin Waltraud Lucic: "Frühe Bildungseinrichtungen müssen mehr voneinander wissen"
(München) - Die entscheidende Schnittstelle zwischen Kindergarten und Grundschule muss mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lučić, lobte im Vorfeld des "Kindergarten- Grundschultages" am 23. Januar in der Münchner Grundschule Am Hedernfeld, zwar die bereits stattfindende Kooperation, mahnte aber einen Ausbau der Zusammenarbeit als "wünschenswert und notwendig" an. Die bislang existierenden Kooperationsformen seien höchst unterschiedlich ausgeprägt und würden von vielen Faktoren abhängen. "Tatsache ist, dass immer noch Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen zu wenig Einblick in die Arbeit der jeweils anderen Bildungseinrichtung haben." Die derzeit 120 Kooperationsbeauftragten von schulischer Seite reichten nicht aus, um diese Lücke zu schließen. "Auch die im Schuljahr 2008/09 eingeführten Informationsbögen - Eltern übergeben diese bei der Einschreibung an die aufnehmende Schule - können zwar Stärken und Schwächen der Kinder beschreiben, werden ihnen aber nicht wirklich gerecht. Um das Potential von Kindern tatsächlich frühzeitig und gezielt zu fördern, müssen in allen Einrichtungen durchdachte Lern- und Förderangebote bereit gestellt sowie verbindliche Standards definiert und eingehalten werden. Dazu braucht es genügend Personal und Zeit", betonte Lučić.
Der Kindergarten- Grundschultag wird vom Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband im BLLV in Kooperation mit der Stiftung Lernen und dem Domino- Verlag veranstaltet. Die Schirmherrschaft haben Familienministerin Christine Haderthauer und Kultusminister Ludwig Spaenle übernommen. "Ziel ist es, Informationsgrundlagen für Pädagoginnen und Pädagogen in Kindergärten und Grundschulen zu schaffen sowie eine Möglichkeit zu einem fachlichen Austausch zu bieten", erklärte Lučić. Weitere Kindergarten- Grundschultage seien bereits in Planung.
"Grundschulen und Kindertagesstätten müssen so miteinander verknüpft werden, dass sich beide Bildungs- und Erziehungskulturen bereichern und ergänzen", sagte Lučić. "Aus Sicht des BLLV müssen dabei Teamarbeit und Informationsfluss im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Erzieher/innen und Lehrer/innen an Grundschulen sollten in direkter Verbindung zueinander stehen und sich regelmäßig über jedes einzelne Kind austauschen können. Die Lernangebote der Kindertagesstätten müssen so gestaltet sein, dass sie allen Kindern einen fließenden Übergang vom `lernenden Spielen´ zum `spielenden Lernen´ ermöglichen, sprachliche Defizite müssen außerdem ausgeglichen werden können, so dass alle Kinder beim Wechsel in die Grundschule die deutsche Sprache beherrschen", beschrieb Lučić den Idealfall. "Dass dafür Zeit und Personal erforderlich sind, liegt auf der Hand. Kooperationsbeauftragte und Informationsbögen sind zwar zum Nulltarif zu haben, reichen aber nicht aus", so ihr Fazit. Um Kinder möglichst früh und möglichst individuell zu fördern, müssten sich die Lern- und Arbeitsbedingungen an allen Einrichtungen deutlich verbessern. "Das gilt für die Kindertagesstätten genauso wie für die Grundschulen", betonte Lučić.
Leider seien die Voraussetzungen für gelungene Förderung und Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule schwierig, denn an vielen Einrichtungen herrscht der Mangel: "Es gibt zu wenig Personal, um Kinder entsprechend zu fördern. Die Folge: benachteiligte Kinder bekommen nicht die Zuwendung, die sie bräuchten. Derzeit sind eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin für durchschnittlich rund 25 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren zuständig. "Je jünger Kinder sind, umso enger muss die Bindung zu ihrer Betreuerin sein. Der Anstellungsschlüssel von 1:10, wie in den Koalitionsvereinbarungen gleich nach der Landtagswahl in Bayern in Aussicht gestellt wurde, ist endlich zu realisieren. Erzieherinnen brauchen Zeit, um die ihnen anvertrauten Kinder intensiv zu beobachten, auf ihre Aktivitäten eingehen und diese sprachlich begleiten zu können. Im Idealfall richten sie ihre Bildungsangebote danach aus, was die Kinder interessiert - wie es der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan auch richtig vorsieht."
Die BLLV- Vizepräsidentin gab außerdem zu bedenken, dass sich Kursprogramme für Vorschulkinder grundsätzlich eher schlecht eignen, weil sie einen starren Rahmen vorgeben, an den sich die Kinder anpassen müssen. "Leider beobachten wir Tendenzen, dass sich sämtliche Bildungsangebote in Kursform an die Kinder wenden, ähnlich wie in einigen Schularten der starre Unterricht im 45-Minuten-Takt". Pädagogisch sinnvoller sei eine am Alter der Kinder ausgerichtete Personal-Kind-Relation, "zum Beispiel müsste eine Fachkraft für drei bis fünf zweijährige Kinder zuständig sein."
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Pressestelle
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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