Pressemitteilung | Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention e.V. (FET)

Lichtblick in der Krebs-Ernährungstherapie? / Neuartiges Ernährungskonzept bei Tumorerkrankungen entzündet neue Hoffnungen!

(Aachen) - Anlässlich des 4. Internationalen Diätetik Kongresses am 7. und 8. Oktober 2006 in Aachen stellte der Tumorbiologe Doktor Johannes F. Coy ein neues Ernährungskonzept bei bestimmten Tumorerkrankungen vor, das eine Trendwende in der Krebstherapie hervorrufen könnte, kommentiert die Ernährungswissenschaftlerin Irina Baumbach von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.

Das TKTL1-Ernährungskonzept basiert auf den neuesten Erkenntnissen der Tumorforschung, nach denen Glukose bei bestimmten Krebsformen als alleiniger Treibstoff dient. Eine gezielt auf die Stoffwechselsituation dieser TKTL1-positiven Tumoren angepasste Ernährung (targeted nutrition) könnte demnach einen Richtungswechsel in der Krebstherapie darstellen. Bereits 1924 beschrieb der Nobelpreisträger Otto Heinrich Warburg einen alternativen und von Sauerstoff unabhängigen Stoffwechselweg zur Energieproduktion in Tumorzellen. Erst 2005 rückte die These des so genannten "Warburg-Effekts" mit der Entdeckung des TKTL1-Enzyms und der damit veränderten Energiegewinnung in Tumoren, wieder in den Mittelpunkt der Forschung. Wissenschaftliche Studien können nun belegen, dass besonders aggressive Tumorzellen zur Energieproduktion Glukose zu Milchsäure vergären, während gesunde Körperzellen diese in Anwesenheit von Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser verstoffwechseln. Die gebildete Milchsäure ihrerseits schützt diese Tumorzellen vor einem Angriff des Immunsystems. Gleichzeitig zerstört sie die umgebende Matrix und ermöglicht so den Tumorzellen, in andere Gewebe einzudringen und zu metastasieren.

Auf diesen Ergebnissen fundierend, entwickelte der Darmstädter Wissenschaftler Johannes Coy die TKTL1-Ernährungstherapie, bei der durch den gezielten Einsatz von neuentwickelten Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index die Insulinausschüttung weitgehend vermieden wird und so aggressive Tumorzellen von der Glukoseversorgung abgekoppelt werden. Die innovativen und spezifisch auf den TKTL1-Stoffwechsel abgestimmten Lebensmittel gewährleisten eine ausreichende Nährstoff- und Energieversorgung des Patienten und wirken der häufig bei Krebserkrankungen auftretenden Tumorkachexie entgegen. Zielgedanke dieser Ernährungsempfehlungen ist es, den Tumorzellen mit aktiviertem TKTL1-Glukosestoffwechsel den notwendigen Treibstoff zu entziehen und sie damit zum Absterben zu zwingen. Denn die Achillesferse dieses Stoffwechsels ist auf der Tatsache begründet, dass diese Tumorzellen ausschließlich Glukose zur Energiegewinnung verwenden können.

Mit der TKTL1-Ernährungstherapie könnte es erstmals möglich sein, bestimmte Tumorerkrankungen aufgrund ihres veränderten Stoffwechsels mit Hilfe einer Ernährungsumstellung direkt zu beeinflussen, so Baumbach zusammenfassend.Weitere Informationen sind unter 0241-9610316 erhältlich.

Quelle und Kontaktadresse:
Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. Sven-David Müller, Geschäftsführer Mariahilfstr. 9, 52062 Aachen Telefon: (0241) 9610-30, Telefax: (0241) 9610-322

(sk)

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