Medikamentenabhängigkeit die stille Sucht / Neuer Leitfaden für Ärzte gibt Hinweise zur Behandlung gefährdeter Patienten
(Berlin) - Vor einem leichtfertigen Umgang mit Medikamenten warnt die Bundesärztekammer. Wir erliegen zu oft der Illusion, dass mit einer Tablette alle möglichen Befindlichkeitsstörungen beseitigt werden können. Dieses unreflektierte Reparaturbedürfnis verhindert eine ursachengerechte Therapie und kann schnell zu einer Gewöhnung, schlimmstenfalls zu einer Abhängigkeit von Medikamenten führen, warnte Frau Dr. Astrid Bühren, Vorsitzende des Ausschusses Sucht und Drogen der Bundesärztekammer, bei der heutigen (3. April 2007) Vorstellung des Leitfadens Medikamente schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit. Der in Zusammenarbeit mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Fachleuten des Suchthilfesystems sowie Vertretern von Patientenorganisationen erarbeitete Leitfaden soll zu einer frühen Erkennung von suchtgefährdeten Patientinnen und Patienten beitragen und Ärztinnen und Ärzten Hilfestellung bei der Behandlung einer bereits bestehenden Medikamentenabhängigkeit geben.
Jeder 6. erwachsene Bundesbürger versucht mindestens einmal pro Woche mit einem Medikament sein Befinden zu verbessern. Dazu gehören insbesondere Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel. Der oft schleichende Prozess einer Abhängigkeit wird von der Außenwelt kaum bemerkt. Experten schätzen, dass inzwischen etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig sind. Mit dem Alter steigt die Gefährdung; Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Etwa 80 Prozent der Erkrankten sind von rezeptpflichtigen Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen abhängig, die vor allem bei unspezifischen Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Unausgeglichenheit und Lustlosigkeit sowie Angst- und Stresssymptomen verschrieben werden. Gerade bei Benzodiazepinen besteht die Gefahr, dass eine exakte Diagnostik und indikationsgerechte Behandlung dieser Beschwerden verhindert wird. Deshalb sollten Ärzte bei der Verordnung solcher Arzneimittel sowohl auf die Verschreibungsdauer als auch die verordneten Mengen achten und Vorsicht bei Wiederholungsrezepten sowie Doppelverordnungen walten lassen, sagte Bühren.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern) e.V.
Pressestelle
Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin
Telefon: (030) 4004560, Telefax: (030) 400456-388
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
- Stellungnahme der AkdÄ zu Eptinezumab (Migräneprophylaxe) (Vyepti®) - frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V
- Mögliche Medikationsfehler bei der Einnahme von Paxlovid™
- Auch in Corona-Zeiten an die Ausbildung denken / Bundeszahnärztekammer und Verband medizinischer Fachberufe erinnern an die Bedeutung der Zahnmedizinischen Fachangestellten für die Praxis
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

