Probenplan verschärft Übertrittsdruck / Situation an Grundschulen spitzt sich zu / Grundschullehrer/innen sprechen von "bulimischer Lehre" / BLLV- Präsident fordert Ende des frühen Sortierens
(München) - Die neuen Übertrittsregelungen haben zu keiner Entspannung an den Grundschulen geführt. Grundschullehrer/innen berichten vielmehr, dass sich der auf den Kindern lastende Druck dramatisch erhöht hat. Insbesondere führt der neu eingeführte "Probenplan" dazu, dass sich der Unterricht vierter Jahrgangsstufen an diesen Vorgaben zu orientieren hat. "Es gibt inzwischen viele Grundschullehrer/innen, die von einer `bulimischen Lehre´ sprechen", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, anlässlich der Vergabe der Übertrittszeugnisse am 3. Mai. Der Probenplan beherrsche den Schullalltag, gelehrt werde nur noch, was für die Proben und den Übertritt relevant ist. "Die Grundschullehrerinnen und -lehrer leiden darunter, dass die Bedürfnisse und Interessen der Kinder nur noch eine untergeordnete Rolle spielen." Wenzel forderte das Kultusministerium auf, mit diesem kontraproduktiven Verfahren aufzuhören. "Der Probenplan muss weg, die Übertrittsregelungen müssen kritisch überdacht werden."
Mit dem "Probenplan" soll das Abhalten von Prüfungen in den Fächern Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachkunde reguliert werden. Er schreibt ein vereinheitlichendes inhaltliches und zeitliches Vorgehen für alle vierten Klassen vor. Alles, was abgefragt wird, muss auch gelernt sein. "Das führt dazu, dass ein Stoffgebiet nach dem anderen durchgepeitscht werden muss. Der Unterricht hat sich an das Diktat der Vorschrift zu halten. Viele Lehrer/innen sind entsetzt. Sie berichten, dass sie keine Projekte mehr durchführen können, Musik und Sportunterricht geopfert werden muss. Mit Pädagogik hat das nichts mehr zu tun", kritisierte der BLLV- Präsident.
"Wer sich vor Augen hält, was der Probenplan den Schülern, ihren Lehrern und natürlich auch den Eltern abverlangt, nämlich 7 Proben im Fach Deutsch, 5 in Mathematik ebenso viele in Heimat- und Sachkunde, kann sich ungefähr vorstellen, wie belastend die Situation für die Betroffenen ist", sagte Wenzel. "Zehnjährige Kinder sind über Wochen einem ungeheueren Prüfungsstress ausgesetzt, in dem es nur noch um die beste Note für den Übertritt geht. Eine solche Schule kann sich gar nicht mehr an den Bedürfnissen der Kinder ausrichten. Der Druck ist kaum noch zu steigern. Er ist kinderfeindlich, unpädagogisch, kontraproduktiv, damit muss endlich Schluss sein." Er forderte das Kultusministerium auf, die krisenhafte Situation sofort zu entschärfen und das geltende Übertrittsverfahren insgesamt kritisch zu überdenken. "Im Mittelpunkt der Überlegungen muss das Kind stehen."
Aus Sicht des BLLV wäre es am vernünftigsten, wenn alle Kinder wesentlich länger gemeinsam lernen dürften. "Solange jedoch neun- und zehnjährige Kinder der Verteilung auf verschiedene Schultypen ausgesetzt sind, sollte die Übertrittsentscheidung nach eingehender Beratung in der Verantwortung der Eltern liegen", regte Wenzel erneut an. Grundlage sollte eine Empfehlung der abgebenden Schule sein, die auf Leistungsmessungen und der Diagnose der Lernkompetenzen basiert. In die Entscheidung der Eltern müssten auch die aufnehmenden Schulen einbezogen werden. Auch die Kooperation zwischen abgebenden und aufnehmenden Schulen sowie die gegenseitige Kenntnis übereinander müssten erheblich vertieft werden. Die Kompetenz der qualifizierten Beratungslehrerkräfte sollte unter angemessener Anrechnung des Aufwandes für die Übertrittsberatung genutzt werden.
"Bislang wird die Verantwortung für die Übertrittsentscheidung jedoch allein den Lehrkräften zugeschoben, obwohl sie wissen, dass sie pädagogisch nicht zu rechtfertigen ist und die Prognosemöglichkeiten ungenügend sind. Darunter leiden die Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen", betonte Wenzel.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Pressestelle
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Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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