Reisebüros kritisieren neue CRS-Kosten / DRV-Flugausschuss-Vorsitzender beklagt Entgelt-Wirrwarr
(Berlin) - Für den deutschen Reisebüro-Vertrieb gibt es immer noch keine Planungssicherheit bei den künftigen Kosten für Computer-Reservierungs-Systeme (CRS): "Die jüngste Vereinbarung zwischen Sabre und Lufthansa bezüglich des Tarifangebots im CRS bedeutet einerseits eine gravierende Verschlechterung und hebt die Preisgleichheit mit dem Eigenvertrieb über Sabre wieder auf. Sie bringt aber andererseits endlich Klarheit über die Sabre-Lösung", stellt Otto Schweisgut, Vorsitzender des Flugausschusses im Deutschen ReiseVerband (DRV), zum neuen Full-Content-Vertrag zwischen Sabre und Lufthansa fest. Der CRS-Anbieter hatte mit seiner Einigung mit Lufthansa (LH) über Full-Content ohne "Vorzugspreisentgelte" im vergangenen Jahr zuerst Dynamik in den deutschen CRS-Markt gebracht, allerdings "vorerst" befristet für ein Jahr. "Nunmehr fallen aber über Sabre doch wieder Zusatzkosten für die sogenannten Vorzugspreise an", beklagt Schweisgut. Langfristige Vertragssicherheit sei aber sowohl für den Reisevertrieb als auch für die Kunden Grundlage einer verlässlichen Zusammenarbeit, so das Vorstandsmitglied, das die Interessen der mittelständischen Reisemittler im DRV vertritt.
"Die unterschiedlichen Modelle führen nun zu Wettbewerbsverzerrungen, zur Preisungleichheit vor allem gegenüber dem Eigenvertrieb, zu Zusatzkosten in den verschiedenen Reservierungssystemen und zu einem für den Kunden undurchschaubaren Preisdschungel", bemängelt Schweisgut. Mit dem neuen Vertragsabschluss habe sich Sabre jetzt längerfristig mit der deutschen Fluggesellschaft auf einen sogenannten Full-Content-Vertrag geeinigt. Für die Dauer der Vertragslaufzeit entfällt damit zwar die Erhebung eines "Vorzugspreisentgeltes" für Lufthansa-Flüge. Sabre wird jedoch den Reisebüros, die am sogenannten Vorzugspreisprogramm des Lufthansa-Konzerns teilnehmen, künftig pro Flug-Segment 1,00 Euro - voraussichtlich zuzüglich Mehrwertsteuer - zusätzlich in Rechnung stellen. "Es gibt nun derzeit zwei CRS-Anbieter, die keinen Aufschlag für den Zugang zu den sogenannten Lufthansa-Vorzugspreisen erheben und ein Unternehmen, das einen Euro berechnet. Nur beim deutschen Marktführer Amadeus fallen noch die vollen 4,90 Euro Vorzugspreisentgelt an", fasst Schweisgut zusammen.
"Für die Reisebüros ist es nicht akzeptabel, dass die Vertriebskosten der Fluggesellschaften, die aus den Geschäftsbeziehungen zwischen Reservierungssystemen und Airlines resultieren, auf den Reisebüro-Vertrieb abgewälzt werden. Die durch die zusätzlichen Entgelte entstehenden Prozesse werden die Reisebüros genau analysieren, um zu ermitteln, welche Kosten für den zusätzlichen Aufwand dann schlussendlich an die Kunden weitergereicht werden müssen", so der Flugausschuss-Vorsitzende Schweisgut.
"Eine langfristige Einigung zwischen CRS und Fluggesellschaft gibt den Reisebüros Planungssicherheit und ist generell zu begrüßen", so Schweisgut. Dass jedoch Reisebürokunden die einzigen Marktteilnehmer sein sollen, die mit den höheren Kosten von Fluggesellschaften und Reservierungssystemen belastet werden, sei für den Vertrieb nicht hinnehmbar und der Kundschaft nicht zu vermitteln. "Die höheren Kosten werden nicht durch bessere Leistungen von Fluggesellschaften und CRS gerechtfertigt", urteilt Schweisgut. Er erwartet, dass die neue Vereinbarung von LH und Sabre den Druck auf die noch ausstehende Einigung zwischen Amadeus und Lufthansa erhöhen wird. Auf der anderen Seite seien die Agenten nun noch stärker gefordert, die technischen Voraussetzungen für eine Multi-CRS-Fähigkeit herzustellen. Allerdings werde dies wiederum nur mit erheblichen Zusatzkosten möglich sein, so Schweisgut.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher ReiseVerband e.V. (DRV)
Sibylle Zeuch, Pressesprecherin
Albrechtstr. 10a, 10117 Berlin
Telefon: (030) 28406-0, Telefax: (030) 28406-30
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