Schweinepreise im freien Fall: BBV fordert klares Bekenntnis zu heimischem Schweinefleisch
(München) - Mitten in der Grillsaison und zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 befinden sich die Erzeugerpreise für Schweine auf Talfahrt. Die Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) wurde innerhalb weniger Wochen mehrfach abgesenkt und liegt aktuell nur noch bei 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Damit ist das Preisniveau weit von einer kostendeckenden Erzeugung entfernt. Nach Einschätzung verschiedener Marktbeobachter fehlen den Schweinehaltern derzeit bis zu 40 Euro je Tier, um die Vollkosten zu decken.
Besonders unverständlich ist die Entwicklung, weil die üblichen Marktimpulse eigentlich in die andere Richtung weisen. Mit der Grillsaison, sommerlichen Temperaturen und dem Beginn der Fußball-WM wären traditionell eine steigende Nachfrage und stabile Märkte zu erwarten. Gleichzeitig ist das Angebot an Schlachtschweinen saisonal eher rückläufig. Dennoch begründen Schlachtunternehmen die Preissenkungen mit schwachen Fleischgeschäften, gut gefüllten Lagern und einem hohen Mengendruck im europäischen Markt.
Der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, Carl von Butler, kritisiert diese Entwicklung scharf: „Der Start der Fußball-WM sollte eigentlich für volle Grills und eine starke Nachfrage nach heimischem Schweinefleisch sorgen. Stattdessen werden die Verbraucher im Handel zunehmend mit billigem Importfleisch aus dem Ausland konfrontiert, während unsere Schweinehalter massive wirtschaftliche Verluste hinnehmen müssen.“
Von Butler sieht insbesondere den Lebensmitteleinzelhandel in der Verantwortung: „Es ist eine Schande, wie Teile des deutschen Lebensmitteleinzelhandels mit den heimischen Schweineerzeugern umgehen. Einerseits werden höhere Tierwohlstandards und regionale Erzeugung eingefordert. Andererseits werden genau jene Betriebe über den Preis aus dem Markt gedrängt, die diese Anforderungen erfüllen sollen.“
Besonders alarmierend sei die Situation für Betriebe in den höheren Haltungsstufen: „Unter den aktuellen Marktbedingungen sind Investitionen in die Haltungsstufen 3 und 4 praktisch nicht mehr darstellbar. Wer von den Bauern mehr Tierwohl verlangt, muss auch bereit sein, dafür entlang der Wertschöpfungskette Verantwortung zu übernehmen.“
Der BBV warnt vor den langfristigen Folgen für die heimische Versorgung: „Wenn wir zulassen, dass immer mehr Schweinehalter aufgeben, verlieren wir nicht nur bäuerliche Familienbetriebe und Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Wir verlieren auch regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Einmal verlorene Produktionskapazitäten lassen sich nicht einfach wieder aufbauen.“
Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb ein klares Bekenntnis von Handel, Politik und Verbrauchern zu heimischem Schweinefleisch. Wer Tierwohl, Regionalität und Versorgungssicherheit wolle, müsse diese Leistungen auch am Markt honorieren. Andernfalls drohe eine weitere Beschleunigung des Strukturwandels mit gravierenden Folgen für die bayerische und deutsche Schweinehaltung.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer BauernVerband (BBV), Max-Joseph-Str. 9, 80333 München, Telefon: 089 558730
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