Sekundärrohstoffmärkte mit konjunkturellen Bremsspuren
(Bonn) - Die Entwicklung der Recycling- und Entsorgungsbranche weist eindeutige Bremsspuren auf, das ergibt sich aus der aktuellen Umfrage des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V..
Der Verband ist sich angesichts der neuen Daten nicht sicher, ob die Prognose vom Jahresanfang, nämlich zwei Prozent Wachstum im Gesamtjahr 2008, noch erreicht werden kann. Auf breiter Front zeigen die Parameter wieder nach unten. Während die bvse-Mitglieder ihre wirtschaftliche Lage im ersten Halbjahr noch zu 36 Prozent mit gut, 43 Prozent befriedigend, 17 Prozent ausreichend und 4 Prozent mit mangelhaft bewerteten, schätzen sie das zweite Halbjahr deutlich schlechter ein. Nur noch 23 Prozent mit gut, 43 Prozent mit befriedigend, aber 26 Prozent mit ausreichend und immerhin 8 Prozent erwarten sogar nur noch mangelhafte Geschäftsaussichten.
Die Euphorie vom Jahresanfang habe stark nachgelassen, so bvse-Präsident Burkhard Landers, da die Konjunktur inzwischen weltweit stottere. Die Sekundärrohstoffmärkte befinden sich derzeit in einer Konsolidierungsphase, machte Landers deutlich.
Die Vergütungen für Altpapier sind spürbar zurückgegangen. Sie liegen derzeit, abhängig von relevanten regionalen Unterschieden und davon, ob es sich um variable Preise oder langfristige Festpreise handelt, in einer Bandbreite zwischen 40 und 80 Euro pro Tonne. Während wir noch im ersten Halbjahr 2007 einen erheblichen nationalen Mehrverbrauch beim Altpapier im Vergleich zum Vorjahr feststellen konnten, ist davon in diesem Jahr keine Rede mehr, sagte der bvse-Präsident. Vielmehr sei exakt die gleiche Menge Altpapier in deutschen Papierfabriken verbraucht worden wie im ersten Halbjahr 2007, nämlich 7,84 Millionen Tonnen. Das bedeute eine Beruhigung des Altpapiermarktes auf stabilem Niveau.
Im E-Schrottmarkt kann von Ruhe nicht die Rede sein. Der bvse wies vielmehr darauf hin, dass dort ein brutaler Verdrängungswettbewerb tobe. Grund hierfür sei eine starke Marktkonzentration sowohl auf der Anbieter- wie auf der Nachfragerseite. Daraus resultiert nach Auffassung des bvse eine immer wieder feststellbare unsachgemäße Behandlung der E-Schrott-Geräte. Kompetente mittelständische Verwertungsstrukturen würden dadurch in existentielle Gefahr gebracht. Der bvse fordert daher von Politik und Vollzugsbehörden diesem fortgesetzten Ökodumping nicht länger zuzusehen. Und auch die Hersteller müssten sich ihrer Verantwortung stellen. Nach Meinung des bvse sei es höchste Zeit, dass die Verantwortlichen der Herstellerunternehmen diese Fehlentwicklung korrigieren und nicht länger nur nach dem billigsten Entsorgungsweg schielen.
Der Schrottmarkt schwächt sich nach seinen Höhenflügen in den letzten Monaten ab. Schnell hat sich der Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt vollzogen. Wie im sich abschwächenden Markt üblich, bot der Handel den Stahlwerken große Mengen an und verstärkte dadurch den Angebotsdruck vor allem im unteren Sortenbereich. Die Einbrüche im Betonstahlmarkt insbesondere im Mittleren Osten und in Spanien hinterlassen ihre Spuren.
Ebenso wirkt sich die rückläufige Beschäftigung der Automobilindustrie auf den Entfall bei Neuschrott, aber auch beim Schrotteinsatz der Zulieferanten aus. Weltweit sind die Prognosen der Stahlindustrie nach wie vor optimistisch. Ob sich die Delle als ein Sommerloch erweist, wird sich im Oktober zeigen, wenn die Produktion überall wieder auf vollen Touren läuft.
Der Altkunststoffmarkt ist angespannt. So sind die freien Sammler und Sortierer einem harten Wettbewerb durch die jeweiligen verschärften Vorgaben der Dualen Systeme ausgesetzt. Der Druck auf die Kunststoffaufbereiter und -verwerter hält weiter an. Die deutlich angezogenen Verwertungskosten, die aus steigenden Arbeits-, Transport- und Energiekosten resultieren, lassen sich nur unzureichend an die Kunden weitergeben.
Auch im PET-Bereich verschärfen sich die Probleme. Für PET-Flaschenabfälle sind allein im letzten Jahr zwölf zusätzliche Verwertungsanlagen in Deutschland und Europa in Betrieb genommen worden. Europaweit wird in diesem Jahr eine Sammelmenge von 1.243.000 Tonnen erwartet. Die installierte Verwertungskapazität beträgt 1.384.000 Tonnen, wobei der Export noch hinzugezählt werden muss. Es besteht also europaweit ein Überhang. Obwohl nur auf Deutschland bezogen die vorhandene Verwertungskapazität die Sammelmenge unterschreitet, besteht jedoch ein Versorgungsengpass bei den Verwertern, da große Mengen an PET-Flaschenabfällen wegen der dortigen Überkapazitäten in das benachbarte EU-Ausland exportiert werden. Die ersten Verwerter in Deutschland haben den Produktionsbetrieb daher schon aufgrund zu hoher Inputpreise eingestellt, und weitere Stilllegungen sind nicht auszuschließen.
Landers: Die rosigen Zeiten gehören der Vergangenheit an. Es besteht jedoch auch kein Anlass, für die Zukunft schwarz zu sehen. Alle Sekundärrohstoffe werden für die einsetzende Industrie weiter an Bedeutung gewinnen, soweit das noch möglich ist. Die Politik sollte erkennen, dass die Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus Abfall einen wichtigen Stellenwert einnehmen muss, wenn es um die Rohstoffsicherheit Deutschlands geht.
Quelle und Kontaktadresse:
bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.
Jörg Lacher, Leiter, Politik und Kommunikation
Hohe Str. 73, 53119 Bonn
Telefon: (0228) 988490, Telefax: (0228) 9884999
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