Pressemitteilung |

Stromwirtschaft investiert in Versorgungssicherheit / Investitionen steigen 2005 auf gut vier Milliarden Euro / VDEW fordert Kurskorrekturen in der Energiepolitik

(Berlin) - "Die deutsche Stromwirtschaft startet ein milliardenschweres Investitionsprogramm. Die 900 Stromunternehmen sichern damit die hohe Versorgungsqualität in Deutschland." Das erklärte Werner Brinker, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Berlin.

Die Branche biete ihren Kunden eine effiziente und besonders zuverlässige Stromversorgung. "Deutschland ist Europameister in der Versorgungsqualität", betonte Brinker. Die Ausfallquote habe 2004 nur rund 23 Minuten je Kunde betragen. In Frankreich sei der Wert mit 59 Minuten mehr als doppelt so hoch gewesen. In Großbritannien habe die Ausfallzeit mit 78 Minuten je Kunde gut dreimal so hoch gelegen wie in Deutschland.

Modernisierungsschub für Kraftwerke und Netze
"Die hohe Stromqualität 'made in Germany' basiert auf leistungsstarken, eng vermaschten Stromnetzen und einem vielfältigen Energiemix", erläuterte Brinker. Die Unternehmen milderten sowohl Versorgungs- als auch Preisrisiken durch den Einsatz ganz unterschiedlicher Primärenergien und Erzeugungstechniken.

Die Branche sichere die vorbildliche Versorgungsqualität mit hohen Investitionen. Im Jahr 2004 verzeichnete der VDEW einen leichten Anstieg der Investitionen um drei Prozent auf 3,9 Milliarden (Mrd.) Euro. Dabei habe es im Bereich der Netze ein deutliches Plus von 22 Prozent auf zwei Mrd. Euro gegeben. Im Kraftwerksbereich gab es dagegen einen leichten Rückgang auf 1,2 Mrd. Euro.

"Im Jahr 2005 werden die Investitionen der Stromwirtschaft erstmals wieder die Vier-Milliarden-Grenze überschreiten. Es beginnt eine Investitionswelle, die einen Modernisierungsschub für Kraftwerke und Netze auslösen wird", erklärte Brinker.

Bis 2012 seien allein im Bereich der allgemeinen Versorgung neue Kraftwerke mit einer Leistung von zusammen 15.000 Megawatt (MW) geplant. Brinker: "Hinzu kommen Projekte von Ökostrom-Erzeugern und der Industrie, die ebenfalls im Strommarkt aktiv ist." Bis 2020 müssten die Stromunternehmen insgesamt rund 40.000 MW Kraftwerksleistung durch neue Anlagen ersetzen. Das entspricht gut einem Drittel des Kraftwerksparks. Das Investitionsvolumen betrage 40 Mrd. Euro. Nochmals derselbe Betrag werde in den Ausbau der Netze fließen.

Kraftwerke gut ausgelastet
"Die deutsche Stromwirtschaft stellt jährlich eine Leistungsbilanz über Angebot und Nachfrage im Strommarkt auf. Diese Kontrolle der Auslastung der Kraftwerkskapazitäten ist ein wichtiges Instrument zur Vorsorge", berichtete Brinker. Im Winter 2004/2005 sei die Auslastung der Kraftwerke auf rund 90 Prozent gestiegen. Sie habe damit höher gelegen als die Auslastung im Verarbeitenden Gewerbe von 84 Prozent. Die Anforderungen an die Kraftwerke stiegen um 900 MW oder gut ein Prozent auf 77.200 MW, ermittelte der Verband der Netzbetreiber - VDN - beim VDEW. Wichtigster Grund für den Zuwachs sei die kühlere Witterung gewesen.

Energiepolitik braucht europäische Lösungen
Das neue Energiewirtschaftsgesetz, das Mitte 2005 in Kraft trat, habe den Unternehmen mehr Rechtssicherheit gebracht. "Die Politik ist aber bis heute die Antwort schuldig geblieben, wie ein zukunftsgerichtetes energiepolitisches Gesamtkonzept aussehen soll", kritisierte Brinker. Der VDEW-Präsident forderte, "die vielen nicht aufeinander abgestimmten Energie- und Umweltgesetze endlich zusammenzuführen."

"Die deutsche Energiepolitik darf nicht an der Landesgrenze enden", forderte Brinker. Deutschland liege im Zentrum des europäischen Binnenmarktes und sei fest eingebunden in die Entwicklung am globalen Energiemarkt. "Eine zukunftsgerichtete Energiepolitik muss Lösungen im europäischen Rahmen finden", betonte Brinker. "Die neue Bundesregierung hat nun die Chance, Kurskorrekturen vorzunehmen."

Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Markt müssten abgebaut werden. "Deutschland kann es sich nicht leisten, seine Unternehmen mit immer größeren hausgemachten Sonderlasten im europäischen Wettbewerb antreten zu lassen", erklärte Brinker. Die deutsche Energiepolitik müsse sich künftig frühzeitig und stärker in die europäische Gesetzgebung einbringen. "Der internationale Standortwettbewerb braucht harmonisierte Rahmenbedingungen."

Quelle und Kontaktadresse:
Verband der Elektrizitätswirtschaft e.V. (VDEW) Patricia Nicolai, Leiterin, Presse Robert-Koch-Platz 4, 10115 Berlin Telefon: (030) 726147-0, Telefax: (030) 726147-140

(sk)

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