VhU zum 2. Bildungsstreik an hessischen Hochschulen / Hessische Arbeitgeber stehen zu Bachelor- und Master-Studiengängen / VhU-Präsident fordert Hochschulen auf, den Umbau konstruktiver anzugehen
(Frankfurt am Main) - Bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses sind jetzt vor allem die Hochschulen selbst gefordert. Die Bildungspolitik hat die erforderlichen Rahmenbedingungen gesetzt. "Hochschulautonomie ist auch eine Verpflichtung: vor allem zur intelligenten Flexibilisierung der neuen gestuften Studiengänge, mit einem sinnvollen Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium und einer besseren Einbindung von Auslandsaufenthalten. Wir brauchen weder einen `Bachelor light´ noch einen überfrachteten Master", kommentierte Prof. Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) den heutigen (17. November 2009) Bildungsstreik an den hessischen Hochschulen. Der Stoff der traditionellen Studiengänge dürfe nicht reduziert, müsse aber auf die neuen gestuften Abschlüsse sinnvoll aufgeteilt werden. Und dabei müsse nicht alles über einen Kamm geschoren werden: Während manches geisteswissenschaftliche Fach mehr Struktur benötige, brauchten die sowieso schon sehr durchstrukturierten Ingenieursstudiengänge eher mehr Freiheit.
Die hessische Wirtschaft halte an ihrem klaren Bekenntnis zur umfassenden Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen fest. Die Piloterfahrungen mit den ersten Jahrgängen der Absolventen seien meist positiv. Die Arbeitgeber erwarteten aber, dass der Bologna-Reformprozess kontinuierlich weiter entwickelt werde und die Umsetzungsqualität noch deutlich steige. "Das sind wir den Studierenden mit Blick auf unsere Anforderungen an eine wachsende internationale und künftig sogar oft globale Beschäftigungsfähigkeit schuldig", bekräftigte Weidemann und verwies darauf, dass sich in diesem Punkt die Interessenlage der Studenten mit derjenigen der Wirtschaft decke. Erste "Berührungsängste" vor allem kleinerer und mittlerer Unternehmen mit den neuen Abschlüssen seien zügig abgebaut worden, so der VhU-Präsident. Dazu habe seit 2004 auch wesentlich die breite Initiative "Bachelor welcome!" von Eigentümern und Vorständen bekannter Unternehmen beigetragen. Da mittlerweile bundesweit mehr als 75 Prozent aller rund 12.000 Studiengänge in Deutschland umgestellt worden seien, gebe es keinen Weg mehr zurück.
Aufgabe der Bildungspolitik in Bund und Ländern aber sei, die Rahmenbedingungen z. B. durch bessere Betreuungsquoten und ein ausgeweitetes Stipendiatenprogramm effizienter zu gestalten und das Potenzial der Qualifizierten voll auszuschöpfen. "Mit Verschärfung des demografisch bedingten Fach- und Führungskräftemangels können wir uns auf Dauer noch weniger leisten, auch nur auf einen einzigen klugen Kopf zu verzichten", so der VhU-Präsident weiter. Zwar sei in den letzten zehn Jahren der Anteil der Studienanfänger auf 36 Prozent und der erfolgreichen Studienabgänger auf 23 Prozent gesteigert worden. Das sei "ein achtbarer Erfolg, aber kein Grund, sich auszuruhen". Er liege nämlich immer noch jeweils um ein Drittel unter den Werten der OECD-Spitzenreiter. Das biete noch jede Menge Raum für Optimierung. Schließlich gehe es um den richtigen Einsatz von Steuergeldern.
Quelle und Kontaktadresse:
Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU)
Dr. Ulrich Kirsch, Leitung, Presse und Kommunikation
Emil-von-Behring-Str. 4, 60439 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 95808-0, Telefax: (069) 95808-126
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