Verbändereport AUSGABE 5 / 2015

Eine Rede sagt mehr als tausend Worte

Die Bedeutung der Rede für das Image des Vorsitzenden und seiner Organisation

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Wer träumt nicht davon? In zehn bis zwanzig Minuten die eigene Person und den gesamten Verband mit all seinen Mitgliedern ins Rampenlicht zu stellen. Mit minimalem zeitlichem und finanziellem Aufwand ein Maximum an kommunikativem Gewinn abschöpfen ... Dies alles gelingt hervorragend mit einem Mittel, das in Deutschland aber immer noch ein Schattendasein fristet, das oft gefürchtet wird, obwohl es mehrere Vorteile in sich vereint. Es ist preiswert und mit relativ wenig Aufwand herzustellen. Es ist hochgradig wirksam, weil sich die Zielgruppe mindestens zehn Minuten intensiv mit diesem Mittel, seinem Sender und dem Inhalt gleichzeitig beschäftigt. Es sendet – noch bevor es überhaupt zum Einsatz kommt – die Botschaft: Hier agiert ein Spezialist, der sich aus der Masse heraushebt, eine Marke. Diese eierlegende Wollmilchsau der Markenbildung und Positionierung heißt: öffentlicher Monolog. Dazu zählen Vorträge, Vorlesungen, Statements, Präsentationen und Reden. Schade nur, dass seine Potenzen in Deutschland von den wenigsten erkannt und genutzt werden, denn wie sehen die meisten öffentlichen Auftritte aus?

Redner und Vortragende langweilen ihre Opfer mit Details, Zahlenkolonnen und überbordender Faktenfülle. Sie quälen ihre Zuhörer mit Nominalstil und Bürokratendeutsch, die in gesprochener Sprache nichts zu suchen haben. Deutsche Redner reden meist zu lange, sie meiden Humor wie der Teufel das Weihwasser, verwenden Zitate als letzten Reißaus und senden damit die Botschaft: Aber, liebe Leute, so glaubt mir doch: Einstein hat doch Ähnliches gesagt … Beginn und Ende eines Vortrags sind zudem öde und verwenden sattsam bekannte Standardformeln. Die Situation wird nicht besser, weil in vielen Köpfen mehrere Gerüchte aus dem Rhetorik-Regal herumgeistern, die sich trotz vielfältiger Gegenbeweise hartnäckig halten – und auch häufig als Basis sogenannter Rhetorik-Seminare dienen. Rhetorik gilt als zentrales und oft alleiniges Mittel der Erfolgreichen für ihren Erfolg. Sie fungiert als besonderes „Machtinstrument“, mit dessen Hilfe sich jede gewünschte Position allein durch Anwendung der „richtige

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Autor

Jens Kegel

ist Coach (univ.) für Führungskräfte, Trainer, Kommunikationsexperte und Autor. Er studierte Germanistik, Geschichte, Pädagogik und Psychologie. Nach zwei Staatsexamen, einem Fernstudium „Werbetexten“ und einem Promotionsstudium arbeitet er als Freiberufler für Unternehmen, Verbände, Führungskräfte.

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