5. Deutscher Psychotherapie Kongress in Berlin – Versorgungskrise als zentrales Thema
(Berlin) - Der 5. Deutsche Psychotherapie Kongress (DPK) fand diese Woche in Berlin statt. Mehr als 1.300 Teilnehmende aus Wissenschaft, Versorgungspraxis, Politik und Erfahrungsexpertise diskutierten bis zum 12. Juni die Zukunft psychischer Gesundheit und psychotherapeutischer Versorgung in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen: Geplante Honorarkürzungen und eine Budgetierung ambulanter Psychotherapie bedrohen nach Einschätzung der Expert*innen die flächendeckende Versorgung von Millionen psychisch kranker Menschen in Deutschland. Die Kongresspräsidentinnen Prof. Dr. Hanna Christiansen und Prof. Dr. Cornelia Weise stellten den Kongress unter das Motto „Wissenschaft und Praxis im Dialog“.
Eröffnungspanel unter dem Zeichen der Versorgungskrise
Den Auftakt bildete ein hochkarätig besetztes Podium unter dem Titel „Psychische Gesundheit im Epochenbruch: Versorgung sichern statt kürzen”. Vertreten waren das Bundesgesundheitsministerium (Dr. Silke Heinemann), die Krankenkassen (Sibylle Malinke, vdek), die Bundespsychotherapeutenkammer (Dr. Nikolaus Melcop), die Wissenschaft (Prof. Dr. Frank Jacobi, DGPs), die Versorgungspraxis (Dr. Enno Maaß, DPtV), Psychotherapiestudierende (Luisa Baumgärtner) sowie Patientenvertreterinnen (Dr. Silke Lipinsi, DZPG) – ein in dieser Breite seltenes Aufeinandertreffen aller maßgeblichen Akteure des Versorgungssystems. Geleitet wurde die Diskussion von Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und Dr. Christina Jochim, Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). „Die Diskussion hat deutlich gemacht, dass es keine einfachen Antworten auf die Herausforderungen der psychotherapeutischen Versorgung gibt. Umso wichtiger ist es, dass alle Interessengruppen miteinander im Gespräch bleiben“, fasst DGPs-Präsidentin Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier die Diskussion zusammen und fügt hinzu: „Evidenzinformierte Entscheidungen entstehen durch Dialog, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Nur wenn wir gemeinsam nach Lösungen suchen, können wir die Zukunft der Psychotherapie nachhaltig und patientenorientiert gestalten."
Klare Botschaft an die Politik: Wir helfen - Ihr kürzt!
„In einer Zeit, in der das Gesundheitssystem unter Kostendruck steht, ist es umso wichtiger zu verstehen: Wer an psychotherapeutischer Versorgung kürzt, verstärkt individuelles Leid und verschiebt Kosten im System. Das ist keine Sparpolitik, das ist Gesundheitspolitik auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung”, kritisieren Dr. Enno Maaß und Dr. Christina Jochim scharf. Hintergrund: Der Gesetzgeber plant im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes eine Budgetierung der ambulanten Psychotherapie und damit eine faktische Reduktion von Behandlungskapazitäten. Betroffene warten bereits heute in vielen Regionen Deutschlands monatelang auf einen Therapieplatz.
Zukunft der Versorgung nur im Dialog möglich
„Unsere Forderung an die Politik ist ganz klar: Reden Sie mit uns. Entscheidungen über die Zukunft der Psychotherapie und unseres Berufsstandes dürfen nicht ohne die Mitsprache derjenigen getroffen werden, die täglich Verantwortung in Forschung, Lehre und Versorgung tragen. Vorschnelle politische Weichenstellungen können nicht nur den Berufsstand schwächen, sondern haben unmittelbare Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung. Eine nachhaltige und zukunftsfähige Versorgung gelingt nur im Dialog mit allen Beteiligten“, betont Prof. Dr. Rudolf Stark, Vorstandsvorsitzender von unith e.V. und Mitveranstalter des Deutschen Psychotherapie Kongresses.
Vier Tage Wissenschaft, Versorgung und gesellschaftliche Debatte
Der Deutsche Psychotherapie Kongress versteht sich als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Versorgung, Politik und Betroffenen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis zu übertragen und gemeinsam Antworten auf die psychischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln.
Quelle und Kontaktadresse:
DPtV e.V. - Deutsche PsychotherapeutenVereinigung, Hans Stromsdörfer, Pressesprecher(in), Am Karlsbad 15, 10785 Berlin, Telefon: 030 235009-0
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