Pressemitteilung | Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth (IHK)
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Europaweit kurzzeitige Werksschließungen als Signal

(Bayreuth) - Rund 150 Mitarbeitende des Werks der Gebr. Waasner GmbH am Sandäcker in Forchheim legten zusammen mit den Beschäftigten in zwölf anderen Unternehmen EU-weit symbolisch die Arbeit nieder. Geschäftsführer Dr. Michael Waasner hatte die Produktionspause selbst angeordnet: Wir wollen kein Geld von der EU, wir wollen aber fair behandelt werden." Ziel der Aktion war es, auf ungleiche Bedingungen im internationalen Wettbewerb aufmerksam zu machen.

Mit klaren Worten skizziert Dr. Waasner die Lage: Die neuen EU-Handelsmaßnahmen schützen zwar Stahl als Rohstoff - nicht aber die stahlreichen Endprodukte, wie sie etwa bei Waasner entstehen. Das führt zu einer Schieflage: Einerseits sollen ab 1. Juli 2026 auf Rohstahl im Rahmen 50Zoll erhoben werden und gleichzeitig Freikontingente deutlich reduziert werden, andererseits werden weiterverarbeitete Stahlprodukte kaum belastet. Das ist, als würde man Äpfel teuer machen, aber Apfelkuchen verschenken, vergleicht Waasner. Die Rechnung ist einfach, so Dr. Waasner. "In unseren Produkten macht das Material etwa 70der Kosten aus." Müssen Unternehmen aus der EU diesen Rohstoff teurer einkaufen als die Konkurrenz, sind die Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig.

Die Folge: Kunden kaufen diese Bauteile zunehmend aus China oder Serbien, wo die Verkaufspreise oft 40unter europäischen Preisen liegen. Ursache sind massive Subventionen und billigere Rohstoffe im Ausland. Während die Nachfrage nach Elektromotoren-Bauteilen für Verkehrswende, Robotik und Drohnen weltweit explodiert, geraten die heimischen Hersteller unter Druck.

Leidenschaft für den Standort

Waasner betont die Verantwortung gegenüber Beschäftigten, Region und Zukunftstechnologien: In zehn Jahren hat unser Unternehmen 220 Millionen Euro an Steuern, Sozialabgaben und Löhnen geschaffen. Wir investieren dauerhaft in unser Werk." Rund 9.500 Arbeitsplätze sichert die Branche allein in Oberfranken. Doch dieser Wert stehe auf dem Spiel, was auch die IHK für Oberfranken Bayreuth und die IG Metall auf den Plan ruft.

Forderung an die Politik: Schutz ausweiten - Wertschöpfung sichern

Gemeinsam mit zwölf anderen Unternehmen aus ganz Europa - aus Italien, Frankreich, Spanien und der Slowakei - fordert Waasner klare Veränderungen: Wir erwarten, dass die neuen Handelsmaßnahmen und der CO-Grenzausgleich der EU auch stahlintensive Folgeprodukte einschließen. Nur so können Wettbewerbsnachteile beseitigt und wichtige Wertschöpfungsketten in Europa gehalten werden.

Europa steht am Scheideweg

Ob E-Auto, Kühlschrank oder Roboter: Überall finden sich Stator- und Rotorpakete aus Stahl. Die Abhängigkeit von Fernost wächst, wenn Europa seine Kompetenzen aufgibt. Wir dürfen den Zukunftsmarkt nicht verschenken, mahnt Waasner. Die Politik müsse jetzt entscheiden, ob Europa unabhängiger werden will. Dr. Waasner: "Dafür brauchen wir aber Chancengleichheit, etwa über einheitliche Zölle für Rohstahl und Stahlprodukte!"

Während China längst erkannt habe, dass es sich hier um eine der entscheidenden Zukunftstechnologien handelt und Unternehmen entsprechend subventioniert, lasse die EU die europäischen Unternehmen im Regen stehen und benachteilige sie sogar, so Dr. Waasner.

Ziel der Aktion war es, der Politik die aktuelle Schieflage zu verdeutlichen. "Nun drängt die Zeit, denn es stehen entsprechende Gespräche der Politik an", so Dr. Waasner. Dort soll erreicht werden, dass die stahlintensiven Folgeprodukte mit in den Schutz aufgenommen werden.

Quelle und Kontaktadresse:
Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth (IHK), Peter Belina, Leiter(in) Kommunikation, Bahnhofstr. 23-27, 95444 Bayreuth, Telefon: 0921 886-0

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