Pressemitteilung | foodwatch e.V.

foodwatch-Bilanz: Nur gut ein Drittel der Unternehmen ändert nach öffentlicher Kritik Produkte oder Werbung / Bundesministerin Aigner muss gesetzlich gegen Verbrauchertäuschung vorgehen

(Berlin) - Etwa jedes dritte Unternehmen ver√§ndert nach √∂ffentlicher Kritik und Verbraucherprotest sein Produkt oder seinen Werbeauftritt. Ein Drittel der kritisierten Unternehmen reagiert jedoch nur mit Alibi-√Ąnderungen, ein Drittel ignoriert die Kritik. Diese Bilanz zieht die Verbraucherorganisation foodwatch f√ľnf Jahre nach dem Start ihrer Kampagne abgespeist.de gegen legale Verbrauchert√§uschung. "Verbrauchert√§uschung ist immer noch an der Tagesordnung - und in den meisten F√§llen ganz legal. Wenn Frau Aigner es ernst meint mit mehr Lebensmittelklarheit, muss sie endlich die eklatanten Gesetzesl√ľcken schlie√üen", forderte Oliver Huizinga im Vorfeld einer Konferenz zum Thema "T√§uschungsschutz bei Lebensmitteln", zu der Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner am 27. und 28. November in Berlin einl√§dt. "Selbst massive Verbraucherproteste k√∂nnen den fl√§chendeckenden Etikettenschwindel im Supermarkt nicht beseitigen", so Oliver Huizinga von foodwatch.

Bereits Ende 2010, zum Start der Initiative "Klarheit und Wahrheit" des Bundesverbraucherministeriums, hatte Ilse Aigner gesetzgeberische Ma√ünahmen gegen Verbrauchert√§uschung angek√ľndigt. Zwei Jahre sp√§ter und mehr als ein Jahr nach dem Start des Verbraucherportals lebensmittelklarheit.de im Juli 2011 hat die Bundesministerin noch immer keine Vorschl√§ge f√ľr konkrete gesetzliche √Ąnderungen vorgelegt. foodwatch forderte Ilse Aigner auf, ihren Worten endlich Taten folgen zu lassen: "Konferenzen und Internetseiten k√∂nnen das Problem der allt√§glichen T√§uschung im Supermarkt nicht l√∂sen. Frau Aigner muss die Hersteller jetzt per Gesetz zur Ehrlichkeit zwingen", so Oliver Huizinga. foodwatch hat einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem die h√§ufigsten F√§lle von Verbrauchert√§uschung verhindert werden k√∂nnten. Dieser enth√§lt sowohl Kennzeichnungsvorschriften und Regeln f√ľr lesbare Angaben auf Verpackungen als auch grunds√§tzliche Regelungen beispielsweise f√ľr Kinderlebensmittel oder zu Gesundheitsaussagen.

Seit dem Start der foodwatch-Kampagne gegen legale Verbrauchert√§uschung im Oktober 2007 hat foodwatch auf abgespeist.de 37 Produktbeispiele f√ľr den allt√§glichen Etikettenschwindel vorgestellt und vier Mal den "Goldenen Windbeutel" f√ľr die dreisteste Werbel√ľge des Jahres verliehen. Etwa 270.000 Beschwerden von Verbrauchern gingen bei Herstellen innerhalb dieser f√ľnf Jahre ein. Bei zehn der kritisierten Produkte √§nderten Hersteller nach dem Verbraucherprotest Rezeptur oder Werbung, f√ľnf Produkte verschwanden ganz vom Markt. Zuletzt ersetzte Babynahrungshersteller Hipp einen wegen seines Zuckergehalts kritisierten Instant-Tee f√ľr Kleinkinder durch Teebeutel, nachdem das Unternehmen zuvor den Goldenen Windbeutel f√ľr die dreisteste Werbel√ľge des Jahres 2012 erhalten hatte.

Quelle und Kontaktadresse:
foodwatch e.V. Pressestelle Brunnenstr. 181, 10119 Berlin Telefon: (030) 240476-0, Telefax: (030) 240476-26

(cl)

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