Pressemitteilung | Handelsverband Deutschland e.V. - Der Einzelhandel (HDE)

HDE gegen Ausbildungsabgabe

(Berlin) - Die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt erfordert rasches Handeln: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen geht deutlich zurück, die der Bewerber verbleibt auf hohem Niveau, warnte am 26. März in Berlin der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Wenn sich nicht vermehrt Jugendliche von der dualen Ausbildung weg hin zur Ausbildung an Hochschulen oder auch weiterführenden Schulen orientieren würden, würde die Zahl der Bewerber sogar weiter steigen und die Lage noch dramatischer sein. Der bildungspolitische Experte des HDE, Wilfried Malcher: „Fehlende Ausbildungsbereitschaft bei den Unternehmen ist nicht der Grund für die sich abzeichnende Ausbildungsplatzlücke. Die Wirtschaft erlebt vielmehr seit Mitte letzten Jahres eine besonders tiefe Krise, die zu Rekordzahlen an Arbeitslosen geführt hat. Und im Handel sieht es schon länger noch düsterer aus.“

Malcher appellierte an die Unternehmen: „Dennoch muss die Wirtschaft und somit auch der Handel alles unternehmen, um wieder mehr junge Leute in die Ausbildung zu bekommen. Gesellschaftspolitisches Engagement zugunsten der jungen Generation ist jetzt vorrangig gefordert.“ Die Unternehmen sollten hier bedenken, dass die Ausbildung zwei bis drei Jahre dauere. Während oder nach dieser Zeit könne sich die wirtschaftliche Lage grundlegend verbessert haben. Dann würden Fachkräfte dringend gesucht werden, die aber zuvor nicht ausgebildet worden seien.

Malcher: „Daher heißt es jetzt auszubilden. Gefordert sind insbesondere Betriebe, die ausbilden könnten, es aber nicht tun, und wachsende Unternehmen, die ebenfalls die Ausbildungszahlen erhöhen können. Kein Betrieb sollte in diesem Jahr weniger Lehrlinge neu einstellen als 2002.“ Der HDE-Experte kritisierte die von Bundeskanzler Schröder angedrohte Ausbildungs-Zwangsabgabe. Sie sei kontraproduktiv, da sie viele Unternehmen davon abhalten werde, tatsächlich auszubilden. Die bloße Drohung verunsichere zudem viele Unternehmen heute schon und verhindere damit, dass sie über ihren Bedarf hinaus ausbilden.

Der HDE-Experte forderte von der Politik stattdessen, die Ausbildungsaktivitäten der Unternehmen zu unterstützen und zu fördern. „Die Politik muss durch steuer- und sozialpolitische Entlastungsmaßnahmen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es wieder zu einem Wirtschaftsaufschwung kommen kann: Ohne Wirtschaftsaufschwung kein Lehrstellenaufschwung“, so Malcher. Darüber hinaus habe der HDE in seinem Sofortprogramm für mehr Ausbildungsplätze weitere Vorschläge gemacht: So müssten zusätzliche Kostenbelastungen für Ausbildungsbetriebe vermieden werden. Daher dürften die Ausbildungsvergütungen in den nächsten Tarifrunden nicht angehoben werden. Außerdem müssten die Prüfungs-, und Eintragungs- und Betreuungsgebühren der zuständigen Stellen für den Zeitraum bis 2008 – dem voraussichtlichen Nachfragegipfel – auf dem Stand des Jahres 2002 eingefroren bleiben.

Das Sofortprogramm des HDE sehe auch vor zu prüfen, ob und inwieweit ab August 2003 für einen mehrjährigen Zeitraum auf die Erhebung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung für neue Ausbildungsverträge verzichtet werden könne. Übergangsweise seien auch verfügbare Kapazitäten in beruflichen Schulen intensiv für berufliche Bildungsmaßnahmen zu nutzen. Darüber hinaus müssten die öffentlichen Förderprogramme betriebsnäher umgesetzt werden. Die Fördermaßnahmen der Bundesanstalt für Arbeit dürften nicht zurückgefahren werden. Ziel müsse es sein, Betriebe an die Übernahme einer vollwertigen und eigenverantwortlichen Ausbildung heranzuführen. Für kleinere und mittlere Unternehmen, die erstmals oder wieder mit der Ausbildung beginnen, sollten befristete Förderhilfen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Ausgleichsbank geschaffen werden. Eine Debatte über eine Reform des Berufsbildungsgesetzes müsse auf das Jahr 2008 verschoben, um eine zusätzliche Verunsicherung der Betriebe zu vermeiden.

Quelle und Kontaktadresse:
Hauptverband des Deutschen Einzelhandels e.V. (HDE) Am Weidendamm 1a, 10117 Berlin Telefon: 030/72 62 50-65, Telefax: 030/72 62 50-69

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