Heute schon bundesweit Platz 1 beim ÖPNV-Angebot: Wie Berlin seinen Vorsprung mit gezielten Investitionen noch weiter ausbauen könnte
(Berlin) - Ein ÖPNV-Gutachten zeigt: Berlin ist beim Bus- und Bahnangebot Spitzenreiter unter den Bundesländern. Erhalt, Modernisierung und Ausbau erfordern deshalb auch weiterhin klare Finanzierungsentscheidungen.
Der Berliner Nahverkehr steht im bundesweiten Vergleich an der Spitze: Mit einer durchschnittlichen ÖPNV-Güteklasse von 1,5 erreicht Berlin bereits heute den Spitzenwert unter allen Bundesländern. Auch bei der Nutzerfinanzierung steht die Hauptstadt stark da: Mit 41 Prozent fahrgastbezogenen Einnahmen am Gesamtaufwand liegt Berlin deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 33 Prozent. Berlin bietet damit heute schon einen nahezu flächendeckend attraktiven und überdurchschnittlich wirtschaftlichen ÖPNV. Dieser Vorsprung ist kein Selbstläufer.
Das Leistungskostengutachten zur Finanzierung des ÖPNV in Deutschland, das unabhängige Gutachter im Auftrag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erstellt haben, zeigt, wie sich Angebot, Nachfrage und Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs bis 2040 entwickeln können – für Deutschland insgesamt und für jedes einzelne Bundesland. Es beschreibt zwei Szenarien: Modernisierung 2040 und Deutschlandangebot 2040. Die Ergebnisse für Berlin machen deutlich: Die Hauptstadt ist bereits auf hohem Niveau unterwegs.
Mit weiteren gezielten Investitionen könnte Berlin seinen Spitzenplatz sogar noch ausbauen. Mit der Studie haben die Gutachter erstmals für alle Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland so genannten Güteklassen für die Angebotsqualität im ÖPNV ermittelt. Für Berlin heißt das: Der ÖPNV steht aktuell bei einer hervorragenden Durchschnittsnote von 1,5, die sich bis 2040 sogar noch auf eine Note von 1,2 verbessern könnte.
„Berlin zeigt schon heute, wie leistungsfähig öffentlicher Nahverkehr in einem urbanen Raum sein kann. Die Ergebnisse belegen, dass sich kontinuierliche Investitionen in ein gutes ÖPNV-Angebot lohnen. Das gilt übrigens in Großstädten und Ballungsräumen genauso wie in ländlichen Regionen. Wer ein hohes Niveau im ÖPNV sichern und gezielt weiterentwickeln will, braucht verlässliche und langfristige Investitionen in Infrastruktur, Fahrzeuge und Betrieb. Gerade für eine wachsende Stadt wie Berlin ist ein starker ÖPNV kein Zusatz, sondern Grundvoraussetzung für Mobilität, Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung“, so Birgit Münster-Rendel, Vorsitzende der VDV-Landesgruppe Ost.
Berliner Ergebnisse des Gutachtens im Überblick – heute schon Spitze, morgen noch besser?
Berlin bietet schon heute eine herausragende ÖPNV-Anbindung. 2024 wurden rund 179 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer erbracht, die Nachfrage lag bei 10,23 Milliarden Personenkilometern. Besonders stark ist Berlin bei schienengebundenen Angeboten: Der SPNV steht für 52 Prozent der Nachfrage, Tram und U-Bahn für 30 Prozent – mehr als doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Für diese Leistungen investiert das Land Berlin entsprechend: Der öffentliche Finanzierungsbedarf lag 2024 bei rund 1,6 Milliarden Euro. Auffällig ist dabei die ausgewogene Struktur: Bus, Tram und SPNV tragen in Berlin jeweils in ähnlicher Größenordnung zum Finanzierungsbedarf bei.
Szenario „Modernisierung 2040“
Im Modernisierungsszenario des Gutachtens richtet sich der Blick auf die Sicherung und qualitative Weiterentwicklung des bestehenden Angebots. Dazu gehören unter anderem die Erneuerung und Modernisierung von Fahrzeugen, Infrastruktur, Werkstätten und Betriebshöfen sowie die weitere Digitalisierung. In Berlin wächst das Angebot in diesem Szenario um ein Prozent, die Nachfrage aber bereits um 13 Prozent – vor allem wegen der stark positiven Bevölkerungsentwicklung sowie durch die Inbetriebnahme der S-Bahn-Linie S21 und weiterer Ausbaumaßnahmen. Um diese zu erreichen, müsste der Finanzierungsbedarf von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2040 steigen. Dafür braucht es im Schnitt 98 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Eine Steigerung von jährlich 38 Millionen Euro ist allein inflationsbedingt nötig.
Szenario „Deutschlandangebot 2040“
Das Deutschlandangebot baut auf der Modernisierung auf und geht deutlich weiter. Es steht für dichtere Takte, zusätzliche Kapazitäten und gezielte Verbesserungen vor allem in den Stadtrandlagen. Dazu zählen unter anderem die Reaktivierung der Siemensbahn, Angebotsverdichtungen im Busverkehr und zusätzliche Beschleunigung und Ausweitung bei U-Bahn und Straßenbahn. In Berlin steigen die Sitzplatzkapazitäten in diesem Szenario um 47 Prozent, die Nachfrage um mindestens 22 Prozent. Gleichzeitig verbessert sich die ohnehin schon bundesweit beste durchschnittliche Güteklasse von 1,5 auf 1,2. Das zeigt: Berlin ist dem Deutschlandangebot schon heute sehr nah und das ÖPNV-Angebot kann mit zusätzlichen Investitionen noch einmal gezielt besser werden. Finanziell bedeutet das: Der öffentliche Finanzierungsbedarf steigt im Deutschlandangebot auf 4,44 Milliarden Euro im Jahr 2040. Das entspricht einem zusätzlichen Mittelaufwuchs von 175 Millionen Euro pro Jahr gegenüber heute.
„Die Ergebnisse für Berlin sind sehr gut, aber sie formulieren auch einen Anspruch für die Zukunft: Wer heute bundesweit vorne liegt, muss weiterhin konsequent in Modernisierung und Ausbau investieren, um diesen Vorsprung zu halten. Das Gutachten zeigt sehr klar, dass zusätzliche Mittel keine abstrakte Forderung sind, sondern die Voraussetzung dafür, Angebot, Qualität und Kapazität des ÖPNV in einer wachsenden Metropole wie Berlin dauerhaft zu sichern“, so VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Berlin profitiert bis 2040 wie kaum ein anderes Bundesland vom Wachstum des Verkehrsaufkommens. Die Bevölkerung soll um 9,3 Prozent wachsen, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um 4,4 Prozent. Damit steigen auch die Anforderungen an den Verkehr und die Mobilität in der Hauptstadt. Das betrifft insbesondere auch ÖPNV-System. Lob für das heutige Spitzenniveau ist berechtigt. Damit Berlin auch künftig Maßstäbe setzt, braucht es langfristig weitere Mittel für den Ausbau und die Modernisierung des Systems.
Quelle und Kontaktadresse:
Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) - Hauptstadtbüro Berlin, Lars Wagner, Pressesprecher(in), Leipziger Platz 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 399932-0
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