Pressemitteilung | Deutsche Kinderhilfe - Die ständige Kindervertretung e.V.
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Instrumentalisierung der Betroffenen? / Zur Ankündigung eines Berliner Rechtsanwalts, Sammelklage in den USA einzureichen

(Berlin) - Im Missbrauchsskandal an Einrichtungen des Jesuitenordens zeichnet sich eine ausgesprochen bedenkliche und für viele Betroffene negative Entwicklung ab. Ein Berliner Anwalt droht an, in den USA Sammelklage mit "desaströsen finanziellen Folgen für den Orden" einzureichen. Die finanziellen Folgen für ihn wären sicherlich ebenfalls erheblich.

In diesem großen Missbrauchsfall treten die Verantwortlichen erstmalig offen auf, erkennen die Taten an und es scheint sich - im Gegensatz zur Vergangenheit - eine neue Umgangskultur mit den Betroffenen zu etablieren. Es besteht erstmalig die Chance, dass die Kirche im Dialog mit den Betroffenen - analog zur Aufarbeitung der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre - zu einem Ausgleich gelangt.

Die Vorgehensweise des Juristen ist kontraproduktiv und gefährdet aus juristischen Gründen eine offene Debatte. Die Konstruktion eines US-amerikanischen Gerichtsstandes für ausschließlich in Deutschland begangene Taten mag juristisch möglich sein, moralisch ist die Vorgehensweise aber höchst fragwürdig. Durch die öffentliche Ankündigung stellt sich die Frage, ob in dem Fall Betroffene instrumentalisiert werden sollen.

Die Deutsche Kinderhilfe appelliert an die Betroffenen, sich nicht zum Spielball juristischer Auseinandersetzungen machen zu lassen. Anwaltliche Unterstützung ist wichtig und geeignet, die Interessen durchzusetzen. Eine Verkürzung darauf, wo die höchsten Schadensersatzansprüche durchgesetzt werden können - eine "Amerikanisierung" des Verfahrens - wird es jedoch den vielen Betroffenen erschweren, die erfahrenen Verletzungen endlich bekannt zu machen.


"Durch die gewählte öffentlichkeitswirksame Vorgehensweise wird nicht nur den konkreten Mandanten, sondern allen Betroffenen, ein Bärendienst erwiesen. Es bleibt zu hoffen, dass nur wenige Opfer diesen Weg gehen und ein wirklicher Täter-Opfer-Ausgleich erfolgen kann", so RA Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Kinderhilfe e.V. Julia Gliszewska, Sprecherin des Vorstandes Schiffbauer Damm 40, 10117 Berlin Telefon: (030) 24342940, Telefax: (030) 24342949

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