Wettbewerbsfähigkeit, Handel und Innovation im Mittelpunkt des 20-jährigen EFIC-Jubiläums
(Brüssel/Herford) - Vertreterinnen und Vertreter der europäischen Möbelindustrie trafen sich am 15. und 16. Juni 2026 in Herford zu den „EFIC Furniture Days 2026“, die vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) ausgerichtet wurden und in deren Rahmen zugleich des 20-jährigen Bestehens des europäischen Möbelindustrieverbands EFIC gedacht wurde. Zu den Schwerpunkten der Jahrestagung zählten der Tätigkeitsbericht von EFIC, Präsentationen und Diskussionen zu den Spannungen im globalen Handel, zum Wettbewerb in einer unsicheren Welt und zu den Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Möbelindustrie. Weitere Themen waren die laufenden Vorbereitungsarbeiten zu künftigen Anforderungen für Möbel im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), die Künstliche Intelligenz, die sich wandelnden Wertschöpfungsketten und Kundenerwartungen. Die Teilnehmer besuchten zudem die Lehrfabrik Möbelindustrie in Löhne sowie Nobilia, den größten europäischen Küchenmöbelhersteller.
EFIC-Präsident Edi Snaidero und Katharina Hartmann, Vorstandsmitglied des VDM, eröffneten die Veranstaltung und betonten, wie wichtig es sei, in einem sich rasch wandelnden wirtschaftlichen und politischen Umfeld eine starke und geeinte Stimme für die europäische Möbelindustrie zu bewahren. Sie verwiesen auf die Bedeutung europäischer und nationaler Verbände bei der Vertretung der Interessen der Branche gegenüber politischen Entscheidungsträgern und bei der Förderung eines stabilen, berechenbaren und wettbewerbsfähigen regulatorischen Umfelds für die vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU), aus denen sich der Möbelsektor zusammensetzt.
EFIC-Generalsekretärin Gabriella Kemendi gab einen Überblick über die jüngsten Lobbyaktivitäten der EFIC. Schwerpunkte lagen unter anderem auf der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte und den laufenden Vorbereitungsarbeiten auf EU-Ebene, der EU-Entwaldungsverordnung und dem jüngsten Vereinfachungspaket der Europäischen Kommission, der Überarbeitung der britischen Brandschutzvorschriften für Möbel, den US-Zöllen sowie den indischen Qualitätskontrollanforderungen (QCOs) für Möbel.
In einer Videoansprache hob der Europaabgeordnete Bernd Lange, Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Handel des Europäischen Parlaments, die Bedeutung der Möbelindustrie als Industriezweig in Deutschland und der EU hervor sowie die Notwendigkeit, zukunftsorientierte Industriearbeitsplätze in Europa, darunter im Möbelsektor, zu fördern. Er betonte, dass die Stärkung des Außenhandels entscheidend für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche sei und verwies auf willkürliche Zollpolitiken in den USA, die zu einem Rückgang der Exporte sowie zu wachsenden Importen aus Drittländern, insbesondere aus Asien, führten. Das Europäische Parlament setzt sich dafür ein, dass die Produktionsbedingungen in Europa erhalten bleiben, die Exportbedingungen stabil bleiben und kein unlauterer Wettbewerb entsteht.
Jürgen Matthes, Leiter des Forschungsclusters „Internationale Wirtschaftspolitik, Finanzen und Immobilienmärkte“ am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), analysierte die Auswirkungen der aktuellen Handelsspannungen und der sich wandelnden globalen Wirtschaftsdynamik auf die europäische Industrie. Höhere Markteintrittsbarrieren und volatilere Handelsbedingungen erschwerten den Zugang zu Schlüsselmärkten. Das Wettbewerbsumfeld für europäische Möbelhersteller habe sich deutlich verschärft.
Während der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich die Branchenvertreter Edi Snaidero (EFIC-Präsident), Katharina Hartmann (geschäftsführende Gesellschafterin der Hartmann Möbelwerke und VDM-Vorstandsmitglied), Jaroslaw Michniuk (Vizepräsident des Verbands der polnischen Möbelindustrie OIGPM und Vorstandsvorsitzender des polnischen Möbelherstellers Paged Meble) und Robert Petersson (Vorstandsmitglied des schwedischen Möbel- und Holzindustrieverbands TMF und Vorstandsvorsitzender des schwedischen Möbelherstellers Kinnarps) darüber aus, wie europäische Möbelhersteller angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit, steigender Kosten, sinkender Verbrauchernachfrage, wachsender internationaler Konkurrenz und zunehmenden regulatorischen Drucks wettbewerbsfähig bleiben können. Sie betonten die Notwendigkeit, sicherzustellen, dass europäische Hersteller nicht benachteiligt werden, sowie die Dringlichkeit einer strengeren Durchsetzung.
Daniel Hinchliffe vom Öko-Institut stellte die neuesten Entwicklungen der laufenden Vorbereitungsstudie für Möbel im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) vor und gab den Teilnehmern Einblicke in den Zeitplan, die Methodik und die ersten möglichen Auswirkungen für Hersteller. Gemäß dem festgelegten Zeitplan sollen die möbelspezifischen Rechtsvorschriften bis 2028 verabschiedet und 18 Monate später in die Praxis umgesetzt werden. Vertreter der Industrie äußerten Bedenken hinsichtlich potenziell belastender regulatorischer Anforderungen und forderten einen einfachen Rahmen, der die Umweltziele der Verordnung erfüllt, ohne KMU zu benachteiligen.
Philipp Trompeter von Dr. Wieselhuber & Partner beleuchtete, wie Künstliche Intelligenz Wertschöpfungsketten, Kundenerwartungen und Geschäftsprozesse verändert, und hob die zunehmende Bedeutung digitaler Innovationen für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Möbelindustrie hervor.
Die EFIC-Mitglieder führten zudem ausführliche Gespräche über aktuelle politische Prioritäten, Handelsentwicklungen und die allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten für die Branche. Die Teilnehmer betonten die Bedeutung wettbewerbsfähiger europäischer Rahmenbedingungen für die Industrie, die eine nachhaltige Fertigung fördern und gleichzeitig gleiche Wettbewerbsbedingungen auf den globalen Märkten gewährleisten.
Am 16. Juni besichtigten die Teilnehmer die Lehrfabrik Möbelindustrie in Löhne, eine wegweisende Initiative, die sich der Kompetenzentwicklung und der Ausbildung von Fachkräften widmet. Die Mitglieder besuchten zudem Nobilia, den größten europäischen Küchenmöbelhersteller, wo sie aus erster Hand Einblicke in moderne Möbelproduktion, Innovation und industrielle Exzellenz erhielten.
Zum Abschluss der Veranstaltung dankte EFIC-Präsident Edi Snaidero dem VDM für die Ausrichtung der diesjährigen Furniture Days und bekräftigte, wie wichtig es sei, dass EFIC und die nationalen Verbände weiterhin zusammenarbeiten, um sich für politische Maßnahmen einzusetzen, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Möbelindustrie stärken und europäische KMU schützen.
Quelle und Kontaktadresse:
Verband der Deutschen Möbelindustrie e.V. (VDM), Christine Scharrenbroch, Leiter(in) Kommunikation, Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef, Telefon: 02224 9377-0
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