Pressemitteilung

EU-Energiekommissar auf der 28. Mitgliederversammlung / Oettinger: Europa darf nicht einsamer Pionier werden

(Berlin) - Günther Oettinger, Kommissar für Energie der Europäischen Kommission, hat auf der 28. Mitgliederversammlung des Deutschen Verkehrsforums hinsichtlich der CO2-Ziele Europas dafür plädiert, europäische CO2-Reduktionsinstrumente wettbewerbsneutral umzusetzen: "Europas Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß beträgt 20 Prozent, USA und China zusammen emittieren 45 Prozent. Europa kann den Klimawandel alleine nicht aufhalten. Bei der Einführung des Emissionshandels im Luftverkehr beispielsweise ist die Europäische Union ein Pionier, dem andere wichtige Länder bisher leider nicht gefolgt sind. Das kann sich schädlich auf die Bürger und die Wirtschaft in Europa auswirken."

Wichtig war Oettinger, dass fossile Brennstoffe noch auf Jahre hinaus für den Mobilitätssektor gesichert werde, da noch viel Effizienz in diesen Treibstoffen stecke. Die Branche sei jedoch gut beraten, in zunehmendem Maße auf die Nutzung erneuerbarer Energien zu setzen.

Zum Thema Elektromobilität sprach sich Oettinger für eine schnelle Einigung auf europäische Standards aus, etwa was die Stecker beim Elektro-Auto betreffe. Ansonsten würden andere Kontinente die Standards festlegen und die entsprechenden Komponenten produzieren. Ebenso müsse die Vielzahl unterschiedlicher Kraftstoffsorten in Europa standardisiert werden. Zudem wies der EU-Kommissar darauf hin, dass Erdgas ein wichtiger Energieträger auch für den Verkehrssektor sei, der aber noch weit unterschätzt werde.

Oettinger warnte davor, Energie in Deutschland weiter durch politische Maßnahmen zu verteuern, denn das könne zu sozialen Verwerfungen führen: "Der Strompreis hat in Deutschland ein gefährliches oberes Niveau erreicht."

Klaus-Peter Müller, Präsidiumsvorsitzender des Deutschen Verkehrsforums und Vorsitzender des Aufsichtsrates COMMERZBANK AG, plädierte für eine Zukunftsstrategie der Energieversorgung im Mobilitätsbereich basierend auf drei Säulen: Effizienzsteigerungen bei Fahrzeugen, Antrieben und Technik, Förderung elektrischer Mobilität und die Weiterentwicklung von Kraftstoffen und alternativen Kraftstoffen.

Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident für Verkehr ADAC e.V. sah im Energieträger Erdgas für den Automobilbereich ebenso wie Oettinger große Potenziale: "Erdgas ist eine echte Alternative zu Benzin und Diesel, denn dieser Brennstoff kann deutlich ökologischer und wesentlich ökonomischer als herkömmlicher Kraftstoff sein. Wir haben im ADAC durch Tests herausgefunden, dass Erdgas über 20 Prozent weniger CO2 verursacht als im Benzinbetrieb." Für Biokraftstoffe forderte Becker zudem eine Zertifizierungspflicht ihrer Nachhaltigkeit, sonst werde es politisch schwierig die Teller-Tank-Diskussion zu überstehen.

Flüssiges Erdgas sei auch im Schiffsverkehr eine Möglichkeit, vom schweren Öl weg zu kommen, erklärte Detthold Aden, Vorsitzender des Vorstands BLG Logistics Group AG & Co. KG. "Für den Einsatz von flüssigem Erdgas, in der Schifffahrt fehlt aber noch die nötige Infrastruktur. Weniger Emissionen ermöglichen die neuen Containerschiffe, denn sie sind in der Lage im Gegensatz zu alten Schiffen, langsam im so genannten slow-steaming zu fahren. Wenn ein Schiff 12 Knoten anstatt über 20 Knoten fährt, spart das 75 Prozent Treibstoff."

Die Bahn sei einer der größten Stromabnehmer in Deutschland, erläuterte Dr. Rüdiger Grube, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Bahn AG. "Etwa 12 Terawattstunden jährlich benötigen wir für den Bahnbetrieb, was eine Energierechnung von rund 2 Milliarden Euro pro Jahr verursacht. Heute schon beziehen wir 10 Prozent unseres Energiebedarfs aus Wasserkraft, ab 2014 kommen mit dem RWE-Vertrag jährlich rund 900 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft hinzu. Das reicht aus, um ein Drittel der Fernverkehrsflotte ein Jahr lang zu versorgen. Wir haben uns vorgenommen, unseren Energiebedarf an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf mindestens 35 Prozent zu steigern und bis 2050 zu 100 Prozent zu decken." Von der Politik erwarte sich Grube verlässliche Rahmenvorgaben und Investitionssicherheit für den Einsatz von sauberer Energie.

"Im Luftverkehr wurde Biokerosin von der Deutschen Lufthansa erfolgreich getestet", sagte Karl Ulrich Garnadt, Vorsitzender des Vorstandes Lufthansa Cargo AG, auf der Veranstaltung. Biokerosin sei aber noch nicht in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen vorhanden. " Lufthansa hat ein hohes Eigeninteresse, ihre Treibstoffkosten von rund sieben Milliarden Euro jährlich zu senken. Energieeffizienz ist für den Luftverkehr überlebenswichtig und wir haben uns als Branche das ehrgeizige Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2050 um die Hälfte zu reduzieren . Das erreichen wir etwa über neue Flugzeuge, die deutlich weniger Treibstoff verbrauchen als ihre Vorgängermodelle. Mit der Umsetzung des einheitlichen europäischen Luftraums könnte man sofort durch direktere Flugrouten zudem über 10 Prozent Treibstoffkosten und damit CO2 einsparen." Der Lufthansa Cargo-Chef machte deutlich, dass der Luftverkehr sich nicht gegen die Einführung von ETS wehre, solange er wettbewerbsneutral für alle Airlines weltweit gelte.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Verkehrsforum e.V.
Ingrid Kudirka, Leiterin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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(dvf, tr)


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