7. Deutscher Insolvenzrechtstag vom 17. bis 19. März 2010 in Berlin / Die Justiz muss aufholen / Insolvenzfachleute fordern: Ausbildung und Ausstattung in der Justiz verbessern
(Berlin) - Das Deutsche Insolvenzrecht muss sich nicht verstecken. Fortführungs- und sanierungsfreundlich bietet es alle Vorteile des viel gepriesenen US-amerikanischen Chapter 11. Es mangelt aber an Akzeptanz und Umsetzung, so die Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung des Deutschen Anwaltvereins (DAV).
Deutsche Unternehmer scheuen die Insolvenz aus Scham. Der Makel des Scheiterns sitzt tief. Attila von Unruh, Gründer der anonymen Insolvenzler und des Bundesverbandes Menschen in Insolvenz und neue Chancen e.V. schilderte auf dem 7. Deutschen Insolvenzrechtstag in Berlin drastisch die persönlichen und wirtschaftlichen Folgen der Insolvenz seines Unternehmens. Dabei könnten bei Nutzung aller Vorteile des modernen Insolvenzrechts viele Firmen auch in der Insolvenz gerettet werden. "Wir können nicht alle Unternehmen vor der Insolvenz, aber viele durch eine Insolvenz retten", sagte damals der nordrheinwestfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement anlässlich der Babcock-Borsig Insolvenz. Gerade dieses Verfahren ist neben weiteren wie Herlitz, Ihr Platz, SinnLeffers, Escada, aber auch z. B. Karmann Musterbeispiel für die erfolgreiche Erhaltung von Arbeitsplätzen und Unternehmensstrukturen.
Hauptkritikpunkt von Gläubigern ist immer wieder die Abhängigkeit von der gerichtlichen Entscheidung, wer Insolvenzverwalter wird. Auf dem Insolvenzrechtstag schilderte der legendäre US-amerikanische Konkursrichter Burton Lifland (75), wie die Justiz in den USA mit Insolvenzen umgeht. Es gilt als die Krönung einer richterlichen Laufbahn, große Insolvenzverfahren steuern zu dürfen. Lifland verfügt über einen Mitarbeiterstab und eigene Kompetenz, betriebswirtschaftliche Sanierungslösungen zu entscheiden.
In Deutschland sind Insolvenzrichter auf Amtsgerichtsebene häufig unerfahren oder sogar überfordert in der Beurteilung wirtschaftlicher Vorgänge. Die Fachleute auf dem 7. Deutschen Insolvenzrechtstag mahnen dringend an, Ausbildung, Fortbildung und Ausstattung in der Justiz auf die Sanierungserfordernisse in diesen Krisenzeiten anzupassen. Das darf auch nicht am Widerstand von Finanzministern auf Länderebene scheitern. Fehlentscheidungen sind immer teurer für die gesamte Volkswirtschaft, eine gute Ausbildung und Ausstattung fördert dagegen flächendeckend die Sanierungschancen insbesondere mittelständischer Unternehmen.
Der Deutsche Insolvenzrechtstag ist eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein. 800 Teilnehmer diskutieren derzeit in Berlin Probleme und Lösungen zur Unternehmenserhaltung und Restrukturierung. Die Arbeitsgemeinschaft hat knapp 1.200 Mitglieder.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher AnwaltVerein e.V. (DAV)
Swen Walentowski, Pressesprecher
Littenstr. 11, 10179 Berlin
Telefon: (030) 7261520, Telefax: (030) 726152190
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