EU-Strategien zu Tierhaltung und Proteinen: Deutscher Tierschutzbund kritisiert Festhalten an überholtem System der Tierhaltung
(Bonn) - Anlässlich der Veröffentlichung der „EU-Livestock Strategy“ und der „EU-Protein Strategy“ kritisiert der Deutsche Tierschutzbund die Europäische Kommission für das Festhalten an einer auf den Erhalt und Ausbau der Tierhaltung ausgerichteten Agrarpolitik. Statt den notwendigen Wandel des Ernährungssystems einzuleiten, setze die Kommission weiterhin auf die Tierhaltung als Garant für Ernährungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie.
„Mit dieser Strategie zementiert die Europäische Kommission ein System der Tierhaltung, das erhebliches Tierleid verursacht und zugleich Klima, Umwelt und Ressourcen belastet“, sagt Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board Member des europäischen Tierschutzdachverbands Eurogroup for Animals. „Wer Europas Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss den Mut haben, den Umfang der Tierhaltung zu reduzieren und pflanzliche Proteine deutlich stärker zu fördern. Diese Chance lässt die Kommission ungenutzt.“
Positiv bewertet der Deutsche Tierschutzbund, dass die Strategie erstmals einen Zeitplan für die Überarbeitung der europäischen Tierschutzgesetzgebung enthält. Auch die angekündigte schrittweise Abschaffung der Käfighaltung, Verbesserungen in der Schweinehaltung sowie die stärkere Ausrichtung auf Tiergesundheits- und Verhaltens-Indikatoren gehen in die richtige Richtung. Entscheidend sei nun jedoch, dass diesen Ankündigungen verbindliche Gesetzesvorschläge folgen.
Kritisch sieht der Verband außerdem, dass die Strategie die Ursachen vieler Probleme der intensiven Tierhaltung ausblendet. Zwar werden Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Biosicherheit angekündigt, die Risiken hoher Tierbestände und Besatzdichten bleiben jedoch weitgehend unberücksichtigt.
Es ist schwer nachvollziehbar, warum zahlreiche Stakeholder konstruktiv an aufwändigen Diskussionen mitwirken und gemeinsam Kompromisse erarbeiten, wenn sich im finalen Gesetzentwurf am Ende nahezu ausschließlich die Interessen der Landwirtschaft widerspiegeln.
„Die Strategie enthält einige überfällige Signale für den Tierschutz. Insgesamt schreibt sie den Status quo jedoch nicht nur fort, sondern fällt in zentralen Punkten hinter die bisherigen tierschutzpolitischen Ambitionen zurück. Europa braucht weniger Tiere in besseren Haltungssystemen – nicht eine Strategie, die den Tierschutz ausbremst, statt ihn voranzubringen.“, so Plinz.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Telefon: 0228 604960
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