Notfallreform offenbart versteckte Milliardenkosten in Nina Warkens Sparpaket
(Berlin) - Die Sparpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken werden kostspielige Folgen haben. Der Entwurf zur Notfallreform wird in Verbindung mit dem Vorschlag, die offene Sprechstunde zu streichen, am Ende Mehrkosten in Milliardenhöhe verursachen. Der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte warnt von einer Milchmädchenrechnung des Ministeriums.
Aktuell werden jährlich rund 10 bis 15 Millionen Patientinnen und Patienten in den offenen Sprechstunden der grundversorgenden Fachärzte behandelt. Diese offenen Sprechstunden sollen abgeschafft werden. Die Finanzkommission verspricht sich davon Einsparungen von rund 212 Millionen Euro.
Die betroffenen Patienten werden dann aber Hausarztpraxen und Notaufnahmen bzw. INZ aufsuchen und verursachen dort ein Vielfaches der Kosten der offenen Sprechstunde. Hausärzte, INZ und Notaufnahmen sind – im Gegensatz zu den fachärztlichen Praxen – nicht budgetiert. Jeder Behandlungsfall dort wird in voller Höhe bezahlt.
Ein Behandlungsfall im INZ schlägt im günstigen Fall mit etwa 150 Euro zu Buche. Wenn also nur jeder zehnte Akutfall aus der offenen Sprechstunde stattdessen ein INZ aufsucht, kostet das bereits mehr als die prognostizierte Einsparung beträgt.
Die Kosten für Hausarztbesuche, die anstelle des Facharztbesuches oder (wegen einer Überweisung) zusätzlich dazu entstehen, sind da noch gar nicht eigepreist.
„Selbst bei der vorsichtigen Annahme, dass in Zukunft jeder Fall, der nun außerhalb der offenen Sprechstunde behandelt wird, nur knapp 80 Euro an weiteren Behandlungskosten verursacht, werden die Behandlungen in Zukunft 1,2 Milliarden Euro kosten. In dem Sparpaket versteckt sich also eine Milliarde Euro Mehrkosten“, rechnet der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Dr. Dirk Heinrich, vor.
„Dass die Streichung der offenen Sprechstunde die Versorgung günstiger macht, ist eine Milchmädchenrechnung. Am Ende gibt es weniger fachärztliche Akutbehandlungen, aber mehr Kosten und mehr Bürokratie. So viel Ehrlichkeit haben die Beitragszahlerinnen und Patienten verdient“, sagt Dr. Heinrich.
Quelle und Kontaktadresse:
Virchowbund - Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V., Adrian Zagler, Bereichsleiter(in) Kommunikation, Chausseestr. 119b, 10115 Berlin, Telefon: 030 288774-0
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